Wie man Argentinische Waldschaben als Futtertiere für seine Lieblinge züchtet!

Argentinische Waldschaben züchten

Wer eine Abwechslung zu herkömmlichen Futterinsekten sucht, sollte sich Argentinische Waldschaben definitiv einmal genauer ansehen. Die kleinen Schaben besitzen nämlich einen hohen Nährwertanteil und haben noch dazu einen weichen Panzer. Damit eignen sie sich nicht nur als Nahrungsquelle für Reptilien, sondern auch für adulte Vogelspinnen. Leider verfügen die Tiere bei vielen Menschen über einen schlechten Ruf.

Viele Leute kennen die Krabbeltiere nur als Schädlinge. Diese Eigenschaft macht die Nachzucht der Tiere aber umso einfacher. Die kleinen Überlebenskünstler passen sich nämlich in relativ kurzer Zeit den extremsten Bedingungen an. Für uns Terrarianer sind das natürlich optimale Voraussetzungen für die erfolgreiche Züchtung. Schließlich genügt uns so eine mittelgroße Plastikbox samt ein paar Eierkartons zur Zucht der Argentinischen Waldschabe.

Als Futter kann man auf Bioabfälle zurückgreifen. Bewährt haben sich dabei vor allem Salatabfälle, Zucchini, Äpfel und anderes nicht allzu feuchtes Gemüse und Obst. Darüber hinaus kann man den Tieren Zierfischfutter oder auch Trockenfutter für Katzen anbieten. Die kleinen Insekten verputzen wirklich alles und sind anspruchslos in der Haltung. Allerdings sollte man sich schon noch etwas tiefer in die Materie einarbeiten, damit die Nachzucht auch gelingt.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Für die Zucht als Futtertier sprechen vor allem 2 Punkte. Die Krabbeltiere können keine glatten Flächen erklimmen und so nicht aus einer Plastikbox entkommen. Zudem besitzen die Tiere eine unglaublich hohe Reproduktionsrate und sind somit immer als Nahrungsquelle verfügbar. Auch braucht es für den Einstieg in die Haltung oder Zucht nur eine kleine Gruppe. Diese bekommt man bereits für etwa 5 Euro.
  • Die beliebteste Schabenart ist die Argentinische Waldschabe. Sie lebt wie es der Name schon vermuten lässt auf dem Waldboden in Argentinien. Dort vertilgen die Tierchen fleißig natürliche Abfälle. Besondere Ansprüche an ihre Umgebung stellen die Tiere also nicht. Sie sind einfach zu halten, leicht zu vermehren und noch dazu friedfertig. Sie können also mit anderen Schaben zusammen gehalten werden.
  • Argentinische Waldschaben erreichen eine Größe von 4 bis 5 cm. Die Weibchen sind dabei etwas dicker als die Männchen. Erstere erkennt man an den nicht vorhandenen Flügeln. Nur die Männlein besitzen lange, braune Flügel. Damit fliegen sie aber nicht umher, sondern nutzen sie bei der Balz zum Imponieren oder bei gescheiterten Kletterversuchen als Fallschirm.

Grundlagen für die erfolgreiche Zucht:

Argentinische Waldschabe
Hier handelt es sich aufgrund der Flügel, um eine männliche Blaptica dubia.

Argentinische Waldschaben werden bis zu einem Jahr alt und vermehren sich bei der richtigen Haltung relativ oft und noch dazu in kleinen Abständen. Da die kleinen Schaben weder an glatten Flächen empor klettern können, noch in der für sie zu kalten Wohnung überleben können, eignen sie sich perfekt als Futtertiere. Anmerken möchten wir aber, dass die Männchen zwar fast nie fliegen, aber manchmal tun sie es eben doch.

Aus diesem Grund sollte die Zuchtbox mit einem Deckel verschlossen werden. Außerdem ist es so in der Zuchtanlage auch etwas wärmer, was sich positiv auf die Tierchen auswirkt. Sie wachsen so schneller und reproduzieren sich auch häufiger. Wo wir auch schon beim nächsten Stichpunkt angelangt wären. Die Rede ist natürlich vom Lebenszyklus. Die kleinen Krabbler sind ovovivipar, tragen die Eier also bis zum Schlupf im Mutterleib.

Ist der Nachwuchs endlich geschlüpft, ist er etwa 5 mm groß. Je nach Temperatur innerhalb der Box dauert es dann rund 2 bis 6 Monate bis die Tiere erwachsen sind. In einer Oothek, also einem Eipaket, können bis zu 30 Nymphen enthalten sein. Da in einer Anlage gleich mehrere trächtige Muttertiere leben, vermehren sich die Tiere also in einem atemberaubenden Tempo. Zumindest so lange die Temperatur konstant bei 26 bis 30 °C liegt.

Gut zu wissen:
Direkt nach dem Schlupf sind die Jungtiere weiß und es dauert ein paar Stunden bis der Chitinpanzer ausgehärtet ist. Gleiches gilt für die normale Färbung. Bis zum Erreichen der endgültigen Größe wird der starre Panzer immer wieder abgestreift und ein neuer geformt. Dieser Vorgang wird als Häutung bezeichnet und endet beim Erreichen der finalen Größe. Von da an leben die Tiere noch ungefähr 6 Monate weiter.

Worauf es bei der Haltung ankommt:

Argentinische Waldschabe Weibchen
Aufgrund der deutlich sichtbaren Flügelansätze ist hier ein Weibchen zu sehen.

Es gibt wie immer in der Pflege von Tieren nicht die perfekten Bedingungen oder genauer gesagt das allgemeingültige Patentrezept. Wir fahren bei unserer Haltung beispielsweise einen recht pragmatischen Ansatz, da wir die Schaben nur als Futter für unsere anderen Haustiere vermehren möchten. Das heißt aber nicht, dass sich die kleinen Krabbler bei uns nicht wohlfühlen. Schließlich bieten wir ihnen doch so einiges:

  • 1 Plastikbox / Terrarium / Aquarium in den Maßen 60 cm hoch, 30 cm breit und 30 cm tief. Nicht vergessen sollte man noch einen ordentlich abschließenden Deckel. Nicht, dass doch mal ein Männchen aus den Becken herausfliegt.
  • Als Bodensubstrat nutzen wir ein bisschen Kokoshumus in den wir etwas Zierfischfutter einmengen. So finden die Tiere immer etwas Leckeres zu essen, wenn sie auf den Boden kommen. Natürlich kann man auch andere Arten von Humusziegeln in Betracht ziehen.
  • Als günstige Versteckmöglichkeit nutzen wir Eierkartons, die wir kreuz und quer übereinander im Becken stapeln. Die Schaben knabbern dieser recht gerne an, weshalb wir nur die Unterseite, also die Eierhalterung, einsetzen. Zur Beheizung greifen wir meist auf Heizmatten zurück. Natürlich tut es aber auch ein Wärmestrahler.

Wir halten unsere Argentinischen Waldschaben in allen Stadien, sprich Größen und Geschlechtern, in so einer Box. Wem die Eierkartons alleine aber etwas zu trist aussehen, kann das Behältnis natürlich noch schöner dekorieren. Gute Erfahrungen haben wir in so einem Fall mit kleinen Terrarienwurzeln, Korkrinden und Tonscherben gemacht. Auf die Eierkartons kann man dann gleich völlig verzichten.

Allerdings braucht man sich auch nicht allzu viel Mühe bei der Einrichtung so einer Zuchtbox zu geben. Schließlich muss man diese alle 3 bis 6 Monate ordentlich säubern. Allerdings auch nur dann, wenn man keine Bodenpolizei bei der Einrichtung eingesetzt hat. Gemeint sind damit Weiße Asseln und Springschwänze. Erstere vertilgen tote Pflanzen, Tiermaterialien wie Häutungsreste, Kot oder tote Futtertiere.

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Sogar Pilze und Schimmel verschmähen die Weißen Asseln nicht. Auch können sich so keine Milben im Terrarium bilden. Damit der Kot der weißen Bodenpolizei nicht überhandnimmt, braucht man aber noch die kleinen Springschwänze. Sie verarbeiten die Exkremente der Asseln und perfektionieren so den natürlichen Kreislauf im Bodengrund. Damit die Tiere überleben, muss man eine Stelle im Terrarium etwas feuchter halten.

Unsere Argentinischen Waldchaben benötigen neben den Eierkartons und dem Zierfischfutter im Boden natürlich noch weitere Nahrungsquellen. Wir setzen überwiegend auf Reste von nicht zu wässrigen Gemüse oder Obst. Natürlich kann man aber auch Hunde-, Vogel- oder Katzenfutter verabreichen. Weiterhin schadet es nicht Kalk in Form von Taubengrit, Eier- oder Sepiaschale anzubieten. Wasser muss bei Saftfutter nicht extra zur Verfügung gestellt werden.

Gut zu wissen:
Das Becken ist eingerichtet und mit 26 bis 30 °C optimal beheizt. Nun fehlen nur noch die Bewohner. Ein Zuchtansatz kann aus 10 Tierchen bestehen. Allerdings braucht es dann recht lange bis die Zucht gut eingelaufen ist. Daher empfehlen wir eine Gruppe aus 30 Weibchen und 20 Männchen. Nach rund 4 bis 6 Monaten kann man dann seine eigenen Argentinischen Waldschaben verfüttern.

Unser kleines FAQ zum Abschluss:

FAQ

Argentinische Waldschaben sind nahrreiche und noch dazu leicht zu haltende Futterinsekten. Selbst die Zucht erfordert kaum Know-how und stellt somit den perfekten Einsteig in die Welt der Futtertierzucht dar. Allerdings gibt es immer mal Situationen, wo man zusätzliche Hilfe benötigt. Deshalb haben wir diesen Ratgeber noch um einen kleinen, aber feinen Frage-Antwort-Bereich erweitert:

Wie kann man das Wachstum der Argentinischen Waldschaben beschleunigen?

Die kleinen Insekten wachen bei Temperaturen um die 26 bis 30 Grad Celsius am schnellsten. Trennt man zusätzlich noch die Nymphen von den restlichen Tieren, gedeihen diese noch eine Spur schneller. Und keine Sorge die Jungtiere dieser Schabenart werden nicht von der Mutter aufgezogen. Die kleinen Racker sind sofort selbständig und können überall aufwachsen. Die Trennung der Futtertiere führen wir von Hand und das etwa 2 Monate nach dem Schlupf durch.

Hält man die Schaben bei einer Temperatur von 30 Grad Celsius, dauert es gerade einmal 3 Monate bis sie adult werden. Allerdings muss man bei solch hohen Werten ein Thermometer in der Box installieren und dieses gut im Auge behalten. Sobald sich der Zeiger der 32 Grad Marke nähert, wird es für die Argentinischen Waldschaben so richtig ungemütlich im Becken.

Können Argentinische Waldschaben sich in der Wohnung vermehren?

Bei uns in Deutschland ist es hierfür zum Glück ganzjährig zu kalt. Die Tiere brauchen nämlich eine konstante Temperatur von mindestens 26 Grad Celsius, um sich in der Wohnung zu vermehren. Man braucht also nicht gleich einen Kammerjäger zu beauftragen, wenn mal ein Tierchen ausgebüxt ist. Allerdings sind die Tiere robust genug, um bis zum natürlichen Lebensende in der Wohnung durchzukommen.

Was kann man gegen einen Befall mit Buckelfliegen machen?

Nicht selten werden Schabenzuchten von sogenannten Buckelfliegen befallen. Innerhalb kürzester Zeit können sich diese Viecher in der Zuchtbox vermehren. Sie legen nämlich im Bodengrund und sogar auf den lebenden oder toten Schaben ihre Eier ab. Bei einem Buckelfliegenbefall sorgen Buffalowürmer rasch für Abhilfe.

Die Larven des Getreideschimmelkäfers fressen die Eier der Fliegen einfach auf. Allerdings verleiben sich die Argentinischen Waldschaben die nützlichen Helfer auch gerne als Snack ein. Dies gilt auch für die ähnlich nützlichen Mehlwürmer. Man muss also immer mal wieder neue Helferlein im Becken platzieren.

Über Maik Herrmanns 5 Artikel
Hey! Ich bin Maik und verfasse hier Beiträge über Warane. Seit über 10 Jahren halte ich die urigen Echsen und möchte meine Erfahrungen mit anderen Terrarianern teilen. Mein Ziel ist es bei Problemen weiterzuhelfen und Menschen über die komplizierte Haltung der faszinierenden Echsen aufzuklären.

2 Kommentare

  1. Guten Tag, ich habe eine Frage. Ich habe jetzt seit 3 Wochen Argentinische Waldschaben, die ich für meine Hühner züchten wollte. Ich habe eine große dunkle Box und 30 adulte Tiere darin. Egal was ich denen an Futter hinstelle, es wird einfach nicht angerührt. Ich habe alles versucht von Brei über Obst. Ich habe Angst das sie verhungern. Die Box steht auf der Heizung, frieren dürften sie somit nicht. Ich hab die Schälchen schon unter die Eierkartons gestellt, aber ans Futter geht niemand dran. Was soll ich tun? Ich meine, wenn die auch nicht aus ihren Löchern kommen, wird es auch mit dem Kuscheln nichts. Vorab vielen lieben Dank.

    • Hallo Isabell,

      deine Sorgen können wir natürlich vollends nachvollziehen. Manchmal dauert es aber länger bis die Schaben ans Futter gehen. Zudem handelt es sich hier um nachtaktive Tiere, die daher am Tag eher träge wirken oder sich zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewegen. Eventuell kannst du nachts mal das Behältnis mit einer Rotlichttaschenlampe unter die Lupe nehmen. Dann solltest du die Schaben auf jeden Fall zu Gesicht bekommen. Anstelle von Brei oder Obst kannst du den Tieren einmal Zierfischfutter oder alte Brötchen anbieten. Auch Katzenfutter aus der Dose wird gerne angenommen. Sollte auch dieses Futter nicht verspeist werden, kannst du gerne nochmal einen Kommentar hinterlassen.

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