Spricht man hierzulande von der Gattung Anolis, kommt den meisten Kennern nur ein Vertreter in den Sinn. Und nein der Ritteranolis ist es nicht. Unter Terrarianern erfreut sich vor allem der Rotkehlanolis allergrößter Beliebtheit. Gerade dieser Umstand hat uns auf die Idee gebracht eine umfangreiche Art-Vorstellung zu verfassen.

Diese soll die Popularität des auch als Riesenanolis bezeichneten Tiers steigern. Schließlich schaut die Art nicht nur gut aus, sondern eignet sich auch zur Haltung im Regenwaldterrarium. Worauf es dabei ankommt, was man alles über den Ritteranolis wissen muss und noch vieles mehr, verraten wir dir in diesem Artikel.

Ritteranolis-Steckbrief:

Bezeichnungen:Ritteranolis (Deiroptyx equestris / Anolis equestris) & Riesenanolis
Aussehen:Hellgrüne Färbung, rosafarbene Kehlfahne, Männchen sind größer, besitzen eine bunte Kopfzeichnung sowie eine größere Kehlwamme
Größe:Gesamtlänge von ca. 55 cm bei einer Kopf-Rumpf-Länge von 15 bis 18 cm.
Lebenserwartung:Bis zu 15 Jahre
Verbreitung:Kuba, Florida & Hawaii
Lebensweise:Tagaktive Baum- & Sträucherbewohner
Fortpflanzung:Eierlegend, 3 bis 4 Wochen andauernde Trächtigkeit & Jungtiere schlüpfen nach 69 bis 72 Tagen
Geschlechtsreife:Ab dem 9. Monat
Artenschutz:nein
Haltung:Paarweise oder in einer Gruppe mit 1 Männchen
Terrarientyp:Regenwalterrarium mit UV-Beleuchtung
Temperatur:Tagsüber 28 bis 30 °C, Nachts 20 bis 25 °C & im Bereich der Sonneninseln 35 °C
Futter:Insekten (Grillen, Heuschrecken, Spinnen, Heimchen, Schaben & Zophobas-Larven) und ab und an etwas Obst.
Schwierigkeitsgrad:Fortgeschrittene
Besonderheiten:Territoriales Verhalten, Haftfüße, Geschlechtsdimorphismus & können sich braun verfärben

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Merkmale & Aussehen:

Der Ritteranolis kann eine maximale Länge von 55 cm erreichen, wobei die Kopf-Rumpf-Länge bis zu 18 cm betragen kann. Allerdings werden die Weibchen etwas kleiner als die männlichen Tiere. Sie besitzen zudem keine bunte Kopfzeichnung sowie keine verdickte Schwanzwurzel. Außerdem ist ihre Kehlwamme deutlich kleiner als die der Männchen.

Die Schuppen der Tiere erstrahlen in einem wunderschönen Grünton. Bei Bedarf können sich die Tiere aber auch bläulich oder braun färben. Diese Fähigkeit sollte man aber nicht mit der laubgrünen Färbung der Jungtiere verwechseln. Interessant ist dabei, dass nur die jungen Weibchen über weiße Querbänder verfügen.

Beide Geschlechter besitzen Haftfüße und können bei Bedarf ihre rosafarbene Kehlwamme zeigen. Des Weiteren ziert viele Tiere ein deutlich sichtbarer gelber oder gelblich-weißer Streifen von der Schnauze bis zum Ohr. Zudem verläuft ein weiterer Streifen in gleicher Färbung an der Schulter entlang. Bei beiden Geschlechtern sind die Gliedmaßen kräftig ausgeprägt.

Die Krallen sind stark und sorgen in Kombination mit den Haftlamellen an den Füßen für mehr als gute Kletterfähigkeiten. So können die Ritteranolissen an Glasflächen oder Wänden entlang laufen. Aber auch Bäume und Sträucher sind dank der scharfen Krallen schnell erklommen.

Gut zu wissen:
Der Ritteranolis wird gerne von vielen Fachleuten als Riesenanolis bezeichnet. Und das gar nicht zu Unrecht. Schließlich handelt es sich hier um die größte Art aus der Familie der Dactyloidae. Für die Haltung benötigt man also ein größeres Terrarium, was die Art für Einsteiger eher uninteressant macht.

Verbreitung & natürlicher Lebensraum:

Ritteranolis Nahaufnahme

Die Echse stammt ursprünglich aus Kuba, wurde aber durch den Menschen in andere Bereiche des Kontinents eingeschleppt. So gibt es eine relativ große Population in Florida sowie Hawaii. Da es in beiden Gebieten keine natürlichen Feinde für die flinken Kletterer gibt, werden die Ritteranolissen zu wahren Problemfällen.

Sie leben dort nicht nur in den Wäldern, sondern bevölkern Parks und Gärten. Die Scheu vor den Menschen verlieren die großen Anolissen immer mehr. Zudem nehmen die Tiere langsam überhand. Das warme Klima und die vielen Futterquellen sorgen für einen raschen Anstieg der Population. Ähnlich wie beim Grünen Leguan, gibt es erste Versuche die Anzahl der Tiere zu mindern.

Gut zu wissen:
Diese Echsen verharren oft mehrere Stunden auf demselben Fleck. Sie sind tendenziell eher scheu und können sogar gegenüber ihrem Halter aggressiv werden. Wirklich zahm werden die Ritteranolissen nie. Grundsätzlich empfiehlt sich deren Haltung daher nicht für Einsteiger.

Lebensweise & Verhalten:

In ihrem natürlichen Habitat leben die tagaktiven Tiere in den Küstengegenden und Savannen. Dort allerdings nicht am Boden, sondern in den Bäumen, Palmen und Sträuchern. Diese verlassen die Echse nur zur Fortpflanzung, Eiablage oder schlicht zur Futteraufnahme. Tendenziell lässt sich dabei sagen, dass die jüngeren Vertreter weiter unten in den Bäumen und Sträuchern zu finden sind.

Ganz oben auf der Futterliste der Tiere stehen kleine Insekten. Aber auch andere Echsen sowie Frösche werden gerne vertilgt. Da es sich hier um wahre Allesfresser handelt, landen auch Blüten, Blätter und Obst auf der Speisekarte. Kommen wir nun aber zu den wirklich interessanten Fakten.

Zu Beginn widmen wir uns dem ausklappbaren Kehlsack. Er ist ein Hauptbestandteil der Kommunikation. Anhand des Winkens oder der Farbe werden verschiedene Botschaften an Weibchen und Rivalen gesendet. Zum Beispiel kann ein Wink in Richtung von anderen Männchen als erste Drohung verstanden werden. Der Ritteranolis zeigt so an, dass das Revier schon besetzt ist und der Eindringling das Weite suchen soll.

Aber nicht nur mit dem Kehlsack wird hier kommuniziert. So kann man bei den Tieren relativ häufig das Kopfnicken bestaunen. Zudem schlagen die Tiere mit dem Schwanz, wippen mit dem Körper oder flachen sich seitlich ab. Fühlen sie sich bedroht, wenden sie sich häufig vom Angreifer ab und ziehen sich blitzschnell auf die gegenüberliegende Seite des Astes zurück.

Gut zu wissen:
Viele Echsen, die überwiegend in Bäumen oder Sträuchern leben, können stehendes Wasser nur schlecht erkennen. Daher trinken die Tiere fast nie aus Pfützen oder Seen. Sie nutzen Tau oder Regentropfen, um ihre Wasserzufuhr sicherzustellen.

Ritteranolis-Haltung im Detail erklärt:

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Eine Echse aus der Gattung Anolis ist hierzulande nicht die Nummer 1 auf der Wunschliste. Lieber gehalten werden Leguane oder Agamen. Allerdings sprechen auch viele Punkte für die Haltung einer Gruppe Ritteranolis. Man sollte sich allerdings vor Augen führen, dass die Pflege etwas mehr Können erfordert. Daher handelt es sich bei dieser Echse um kein Tier für blutige Anfänger.

Dies hat gleich mehrere Gründe. So hält man hier mehrere mittelgroße Echsen gleichzeitig, man braucht ein großes Regenwaldterrarium und zu guter Letzt ein Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Alles Aspekte, die man als Anfänger schnell unterschätzt und dann bei der Pflege Schwierigkeiten bekommt.

Der Ritteranolis sollte nicht allein gehalten werden. Empfehlenswert ist ein Paar, aber noch besser ist eine Gruppe. Allerdings sollte sich darin nur ein einziges Männchen befinden. Ansonsten kann das revierbildende Verhalten zu Problem führen.

Sinnvoll ist die Haltung einer Gruppe bestehend aus einem männlichen und 2 weiblichen Tieren. Das Zusammenhalten mit anderen Echsengattung ist alles andere als eine gute Idee. So viel sei verraten!

Terrarium:

Wer mit der paarweisen Haltung der Ritteranolis beginnen möchte, braucht bereits ein Regenwalterrarium mit den Maßen 150 x 110 x 150 cm. Gerne darf das Becken aber noch größer ausfallen. Wer eine Gruppe halten möchte, darf auf die angegebenen Maße eine ordentliche Portion darauf schlagen.

Da es sich hier um eine baumbewohnende Echse handelt, braucht man im Ritteranolis-Terrarium viele Klettermöglichkeiten. Hierfür eignen sich besonders große Äste. Zudem können sich die Tiere hinter diesen auch verstecken. Beim Anbringen der Äste sollte man darauf Acht geben, dass sich diese nicht kreuzen. Ansonsten kann die Echse mit dem Schwanz hängen bleiben und diesen abwerfen.

In puncto Bepflanzung sollte man großblättrige Pflanzen anschaffen. Diese dienen außerdem als Sichtschutz und Barriere zwischen dem Weibchen und Männchen. Wer sich nicht für echte Pflanzen begeistern kann oder den Aufwand scheut, kann natürlich auch künstliche Pflanzen benutzen. Grundsätzlich gilt hierbei, dass die Bepflanzung groß und robust sein sollte.

Wer den Tieren noch etwas Gutes tun möchte, kann noch Korkplatten an der Rückwand anbringen. So schafft man zusätzliche Klettermöglichkeiten für die Ritteranolissen. Wer möchte, kann einen Wasserfall oder ein Trinkschälchen im Inneren des Terrariums platzieren. Zwar nehmen die Tiere meist ausreichend Flüssigkeit über Wassertropfen auf, aber sicher ist schließlich sicher.

Klima:

Die klimatischen Bedingungen im Inneren des Ritteranolis-Terrarium müssen stimmen. So sollte sich die Temperatur am Tag zwischen 28 und 30 °C bewegen. Im Bereich der Sonneninseln sind aber auch Werte von bis zu 35 °C vollkommen im Rahmen. Sobald es Nacht wird, genügen 18 bis 25 °C. Die Luftfeuchtigkeit sollte tagsüber bei 70 % liegen. Nachts sind allerdings 90 % besser.

Futter:

Ritteranolissen sind Allesfresser mit starkem Fokus auf Insekten. Aufgrund dieses Umstands sollte die Nahrung aus Grillen, Heuschrecken, Schnecken, Schaben, nestjungen Mäusen oder auch Käfern bestehen. Ab und zu darf man aber auch ein bisschen Obst geben. Große Fans davon werden die Riesenanolissen aber vermutlich nie.

Wer es besonders erst meint, kann die Futtertiere mit Vitamin- oder Mineralstoffpräparaten bestäuben. Alternativ dazu kann man die Mittel auch ins Wasser der Sprühflasche geben. Dann nehmen die Tiere die zusätzlichen Nährstoffe über die Flüssigkeit auf. Ein guter Tipp, wenn bestäubte Futtertiere eher links liegen gelassen werden.

Fortpflanzung & Zucht:

Wer seine Ritteranolis vermehren möchte, begibt sich auf eine interessante Reise. Die Fortpflanzungszeit der Echsen reicht etwa von April bis November. Sobald sich die Tiere gepaart haben, dauert es etwa 3 bis 4 Wochen bis die Eier in den Bodengrund vergraben werden. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die Eier selten tiefer als 5 cm verbuddelt werden.

Nach rund 69 bis 72 Tagen schlüpfen dann die Jungtiere. Sie sind bereits zu diesem Zeitpunkt ziemlich groß. Ganze 11 bis 15 cm Gesamtlänge erreichen sie direkt nach dem Schlupf. Die Jungtiere sind untereinander eher aggressiv und sollten getrennt aufgezogen werden.

Damit die Zucht auch wirklich gelingt, sollte man sich zu 100 Prozent sicher sein ein Weibchen und ein Männchen zu besitzen. Viele Halter berichten nämlich davon, dass sich auch gleichgeschlechtliche Tiere miteinander paaren möchten.

Inzwischen gibt es über dieses Fortpflanzungsverhalten erste Studien von Wissenschaftlern. Derzeit geht man davon aus, dass die Tiere Weibchen nicht von Männchen unterscheiden können. Eventuell liegt hierin auch die Ursache begründet, dass die Männchen teils sehr aggressiv gegenüber den Weibchen sind.

Kaufen:

Wer sich einen Ritteranolis kaufen möchte, muss auf diverse Aspekte Acht geben. So werden noch immer viele Farmzuchten und Wildfänge angeboten. Von diesen beiden Optionen raten wir ab. Besser sind Nachzuchten aus Deutschland von renommierten Züchtern und Händlern.

Aber auch hier ist Vorsicht geboten. So gilt es beim Erwerb auf ein paar wichtige Details zu schauen. Wer hierbei nicht gründlich vorgeht, riskiert schnell einen Fehlkauf. Welche Dinge entscheidend sind, steht hier geschrieben:

  • Wohlgenährt
  • Klare, leuchtende Augen
  • Keine Verletzungen oder Abschürfungen
  • Kräftige Schwanzwurzel
  • Saubere Kloake
  • Nicht verschleimter Maulinnenraum
Es gibt auch ein paar Merkmale, wo man lieber vom Kauf absehen sollte: Hypernervöses Verhalten, Außen- & Innenparasiten, apathisches Verhalten, verkrustete, entzündete oder eingefallene Augen, Deformationen aller Art, steife Gelenke oder Gliedmaßen, abgemagertes Äußeres sowie Schwellungen unter der Haut oder im Kieferbereich.

Unser FAQ über den Ritteranolis:

FAQ

Der Ritteranolis gehört nicht zu den beliebtesten Terrarien-Tieren. Trotzdem ist das Interesse an diesem Steckbrief relativ groß und ab und an erreichen uns interessante Fragen. Dies hat uns schließlich auf die Idee gebracht, auch hier einen Frage-Antwort-Bereich zu erstellen. So bekommst du noch mehr nützliche Informationen rund um diese Echse.

Mein Ritteranolis frisst nicht mehr. Was soll ich tun?

Adulte Exemplare machen nur selten Schwierigkeiten bei der Futter- oder Wasseraufnahme. Sollten sie einmal nicht ausreichend trinken, muss man zur Pipette greifen und sie damit tränken.

Frisch geschlüpfte Jungtiere verweigern häufig das Fressen. Dann muss man sie zwangsernähren. Ältere Tiere, die ihr Fressen verweigern sind, nicht so einfach zu therapieren. Hier gibt es verschiedene Ursachen und Probleme, die es zu finden gibt.

Häufige Gründe sind Legenot, Stress mit dem Männchen oder das falsche Futter. Gerade Obst & Co. werden gerne verschmäht. Abhilfe schafft man mit Futtertieren aller Art. Ansonsten können auch andere Haltungsfehler zur Futterverweigerung führen.

Wie viele Unterarten sind derzeit bekannt?

Nach aktuellem wissenschaftlichen Erkenntnissen existieren momentan rund 11 Unterarten. Interessant ist dabei vor allem ein Aspekt. Nämlich die Färbung. Diese variiert doch sehr stark bei den einzelnen Vertretern. Außerdem wurden im Jahr 2001 ganze 3 neue Unterarten erfasst.

Wer entdeckte den Ritteranolis?

Das erste Mal wurde diese Echse vom deutschen Biologen Blasius Merrem im Jahr 1820 beschrieben. Ob der ehemalige Professor der Entdecker dieser Art ist, steht allerdings nicht eindeutig fest. Was man aber sicher sagen kann ist, dass Blasius Merrem ein begeisterter Anhänger der Zoologie mit Schwerpunkt auf Ornithologie sowie Herpetologie war.

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