Was man über Vitamin- & Calciumpräparate wissen muss!

Calcium-Vitaminpräparate-Reptilien

Bei Bodybuildern und sehr vielen Hobbysportlern gehören Nahrungsergänzungsmittel seit einigen Jahren zum Trainingsalltag dazu. Selbst Hausfrauen und Bürohengste greifen zur Stärkung des eigenen Immunsystems auf spezielle Pillen, Drinks und Pulver zurück. Da liegt es nahe auch die eigenen Terrarien-Tiere in den Genuss von Vitamin- & Calciumpräparaten kommen zu lassen.

Allerdings denkt längst nicht jeder Terrarianer so. Zu teuer sind die Mittel und in der Natur kippt schließlich auch keiner Nahrungsergänzungsmittel über das Futter. Aber ein Terrarium ist eben kein natürliches Habitat. Bis vor einigen Jahren war selbst die Bestrahlung mit UVB-Strahlen eine echte Herausforderung. Zum Glück ist dies nicht mehr so. Ein Umstand ist aber geblieben.

Futtertiere aus dem Fachhandel sind selten richtige Vitaminbomben. Manch einer spricht sogar von einer Ladung herumlaufender Luft. Dies ist natürlich übertrieben, aber häufig sind die Futterinsekten aufgrund des langen Transports dehydriert und mangelernährt. Wer sie gleich verfüttern möchte, sollte sie pudern. Gemeint ist damit das Bestäuben der Futtertiere mit den Nahrungsergänzungsmitteln.

Doch welche Mittel sind wirklich empfehlenswert und worauf sollte man im Allgemeinen achten? Gibt es gar Mogelpackungen? All diese Fragen und noch eine Menge mehr werden wir im Folgenden beantworten. Wie immer nehmen wir dabei kein Blatt vor den Mund und berichten aus unserer langjährigen Praxis. Schließlich handelt es sich hier um ein wichtiges Thema, das nicht unterschätzt werden sollte.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Viele Hersteller verzichten bei der Produktion auf die EU-Gesetzgebung für Ergänzungsfuttermittel. Leider oft nur aus einem Grund. Sie erreichen nämlich die angegebenen Inhaltsmengen in ihren Produkten nicht.
  • Manch ein Hersteller meint es auch zu gut und überschreitet die Höchstwerte bei bestimmten Inhaltsstoffen deutlich. Dies ist genauso wenig sinnvoll wie eine Unterschreitung bei anderen Bestandteilen.
  • Jedes Produkt sollte über ein Mindesthaltbarkeitsdatum verfügen. Dieses ist zwar bei unseren Lebensmitteln absoluter Standard, aber in dieser Produktsparte häufig nicht auf der Verpackung zu finden. Gleiches gilt übrigens für eine genaue Auflistung aller Bestandteile.

Worauf es nach unserer Erfahrung wirklich ankommt:

Schaut man sich einmal im Fachhandel oder den zahlreichen Online-Shops um, findet man zahlreiche bunte Döschen und Fläschchen. Die Hersteller werben auf ihrem Wundermitteln mit den tollsten Slogans. Oft sticht dabei der Begriff Vitamin D ins Auge. Dabei ist gerade diese Aussage als eher kritisch zu sehen. Reptilien benötigen nämlich ausschließlich Vitamin D3.

In dem Produkt könnte aber auch das nutzlose Vitamin D2 enthalten sein. Dieses können Reptilien aber nicht verarbeiten. Zudem kommt es bei Vitamin- & Calciumpräparaten zuerst einmal auf die Inhaltsstoffe Calcium und Phosphor an. Ersteres ist zum Beispiel beim Skelettwachstum oder der Eierschalenbildung überaus wichtig.

Aber auch Phosphor ist bei vielen lebensnotwendigen Prozessen entscheidend. So wird das chemische Element beim Energiestoffwechsel oder beim Knochenaufbau gebraucht. Damit das Haustier diese Stoffe in ausreichender Menge aufnehmen kann, sollte der Vitamin D3 Spiegel stimmen. All diese Bestandteile arbeiten also nur in Kombination miteinander optimal.

Vitaminpräparate alleine bringen gar nichts:

Dabei wird aber gerne eine Kleinigkeit unter den Tisch gekehrt. Um bei der Gabe von Futtertieren auf das empfehlenswerte Calcium-Phosphor-Verhältnis von 2 zu 1 zu kommen, muss man die Tierchen schon ordentlich bestäuben. Ein adultes Heimchen kommt beispielsweise gerade mal auf ein Verhältnis von etwa 0,15. Daher nutzen normale Vitaminmittel genauso wie Alles-in-einem-Produkte nicht wirklich viel.

Um auf das richtige Verhältnis zu gelangen, würde man seine Tiere, nämlich mit einer Überdosis Vitamine vergiften. Aus diesem Grund muss man immer ein zusätzliches Calciumpräparat bei der Puderung der Futterinsekten einsetzen. Eine andere Vorgehensweise könnte nämlich jederzeit zu einer Katastrophe führen.

Woran man gute Vitaminpräparate erkennt:

Die Auswahl ist inzwischen so riesig, dass man gar nicht mehr weiß, welches Mittelchen man denn nun kaufen soll. Daher muss man bei der Auswahl auf einige Aspekte achten. Welche das sind, erfährst du hier:

  • Nicht nur die Inhaltsstoffe sind entscheidend. Manch ein Pulver will nämlich mehr schlecht als recht an den Futtertieren haften bleiben. In so einem Fall kann man etwas Flüssigkeit bei der Puderung hinzugeben oder lieber gleich auf ein anders Produkt umsteigen. Um es bei der Dosierung nicht zu übertreiben, sollte auf der Verpackung zudem aufgeführt werden, wie viel Gramm Pulver pro Insekten benötigt wird.
  • Ebenso sollte man auf dem Produkt ein Mindesthaltbarkeitsdatum finden. Vitamine sind nämlich nicht gerade langlebig. Sollte ein Ablaufdatum fehlen, ist das Produkt eventuell nicht zu gebrauchen. Das Gleich gilt übrigens, wenn die Inhalts- und Zusatzstoffe nur unzureichend aufgelistet werden.
  • Das beste Gefühl haben wir bei Mitteln deren Herstellung behördlich überwacht wird. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn sich der Hersteller an die Regeln der EU-Gesetzgebung für Ergänzungsfuttermittel hält. Leider ist dies bei den erhältlichen Produkten eher die Ausnahme als der Standard. Dieser Umstand führt häufig dazu, dass die Höchst- als auch Mindestwerte nicht eingehalten werden.
Gut zu wissen:
Vitamine geben wir am liebsten in Pulverform. Bei flüssigen Präparaten weiß man nämlich nie, ob sich die Inhaltsstoffe gleichmäßig in der Masse verteilt haben. Calzium kann man seinen Reptilien mittels im Zoohandel erhältlichen Sepiaschalen anbieten. Wer will, kann aber auch auf reines Calciumcitrat zurückgreifen.

Dieses bekommt man in so gut wie jeder Apotheke. Im Gegensatz zur Sepiaschale ist der Anteil am Calcium hier um ein Vielfaches höher. Ebenso bieten sich noch klassische Fertigpulver aus dem Fachhandel an. Diese sind aber relativ teuer und zudem oft überlagert.

Wie man die Supplemente korrekt dosiert & anwendet:

Oft wird das Pulver nach Bauchgefühl über die Futtertiere verteilt. Dieser Ansatz ist aber nicht zu empfehlen. Schnell kann es hierdurch zu einer Überdosierung mit fettlöslichen Vitaminen wie A, D, E oder K kommen. Lediglich wasserlösliche Vitamine können über die Nieren abgebaut oder genauer gesagt ausgeschieden werden. Daher gilt es sich genaustens an die Angaben zur Dosierung zu halten.

In der Praxis wiegt man zur korrekten Anwendung die Futtertiere und natürlich das Vitaminpulver selbst ab. Nun kann man ganz einfach alles durchkalkulieren. Wer sich hierbei etwas unsicher ist, kann auch einen reptilienkundigen Tierarzt aufsuchen. Diese helfen einem gerne bei Fragen und hier bekommt man auch beliebte Ergänzungsmittel, wie Korvimin ZVT + Reptil.

Gut zu wissen:
Im Gegensatz zu Vitaminen kann man Calcium bei einem gesunden Reptil nicht überdosieren. Die Sepiaschale kann daher ohne schlechtes Gewissen dauerhaft im Terrarium gelassen werden. Nimmt das Haustier doch einmal eine zu große Ladung Calcium auf, wird dieses einfach über den Kot wieder ausgeschieden. Es kann aber bei zu hohen Dosen Vitamin D3 durchaus zu Problemen kommen.

Die Lagerung & Aufbewahrung ist oft fehlerhaft:

Ein großer Feind von Vitaminpräparaten ist das Sonnenlicht. Daher müssen diese stets in einem verschlossenem Behälter gelagert werden. Selbstredend sollte dieser Lichtundurchlässig sein und in einem kühlen, trockenen Schrank stehen. Keinesfalls sollte man solche Präparate auf der Fensterbank aufheben. Weder das Licht noch die eventuell vorhandene Heizungsluft tut den Vitaminpräparaten gut.

Auch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit kann hier temporär auftreten. Bei einer guten Lagerung sollten die Vitaminpräparate etwa 1 Jahr halten. Daher sollte man nicht zu viel auf einmal kaufen. Ist es doch passiert, kann man die überschüssigen Mittelchen einfrieren. Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass man abgelaufene Produkte ebenso wenig verabreicht wie verschmutze Präparate.

Gut zu wissen:
Um die korrekte Dosierung sicherzustellen, werden Calcium- und Vitaminpulver nicht zusammen gemixt und dann ab und an über die Futtertiere gestreut. Sie werden getrennt gelagert und dann ausschließlich korrekt dosiert genutzt. Bevor die Futtertiere bestäubt werden, muss die dafür eingesetzte Box von allen Präparatrückständen und anderen Verschmutzungen befreit werden.
Über Maik Herrmanns 2 Artikel
Hey! Ich bin Maik und verfasse hier Beiträge über Warane. Seit über 10 Jahren halte ich die urigen Echsen und möchte meine Erfahrungen mit anderen Terrarianern teilen. Mein Ziel ist es bei Problemen weiterzuhelfen und Menschen über die komplizierte Haltung der faszinierenden Echsen aufzuklären.