Totenkopfschaben: Was du über die Riesenwaldschaben wissen musst!

Manche Terrarientiere brauchen Lebendfutter, das eine Spur größer ausfällt. In so einem Fall bietet sich dann die im Zoohandel häufig erhältliche Totenkopfschabe an. Das relativ bekannte Futterinsekt wird manchmal auch unter der Bezeichnung Riesenwaldschabe angeboten. Schaut man sich die bis zu 6 cm großen Tiere näher an, sticht einem sofort der namensgebende Punkt auf dem Rücken ins Auge.

Mit etwas Fantasie schaut er nämlich wie ein Totenkopf aus. Aber auch das Verhalten der Schaben passt ganz gut zu ihrem Namen. Die in großen Kolonien lebenden Krabbeltiere dulden keine anderen Insekten in ihrem Reich. Traut sich doch mal ein anderes Insekt in ihr Territorium, ist dies definitiv das Todesurteil für den Eindringling. Darüber hinaus vertilgen die Kolonien besonders gerne Käfer, Fliegenlarven und sogar Heuschrecken.

Sie machen regelrecht Jagd auf diese Lebewesen. In der freien Natur leben die Totenkopfschaben-Kolonien größtenteils in morschen Bäumen. Bekannt sind sie für ihre hohe Reproduktionsrate sowie den Umstand, dass sie keine glatten Flächen hinaufklettern können. Beides macht sie für uns Terrarianer so interessant. Die Zucht und Haltung erfordert wenig Know-how und gelingt so selbst Einsteigern. Worauf es hierbei ankommt, erfährst du nun.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Riesenwaldschaben erreichen meist eine Körperlänge von 5 bis 5,3 cm. Da die Flügel den Hinterleib überragen beträgt die Gesamtlänge zwischen 6 und 6,5 cm. In Ausnahmefällen können Weibchen sogar noch ein bisschen größer werden. Zudem wird ihr Körper mit 21 mm, rund 3 mm breiter als die Männchen. Rechnet man noch die Deckflügel hinzu, erreichen die Tiere eine Gesamtbreite von 27 bis 30 mm. Totenkopfschaben gehören zu den größten Schaben aus unserem Planeten.
  • Die Beine dieser Tiere sind dunkelbraun eingefärbt. Der Körper hingegen ist oft in einem hell- bis dunkelbraunen Muster gesprenkelt. Die Flügel sind in aller Regel hellbraun gehalten. Zwischen dem Subcostal- und dem Analfeld befindet sich eine an der Flügelbasis startende Linie. Diese endet auf beiden Flügeln und sorgt im geschlossenen Zustand für einen hellen Fleck hinter dem Halsschild, welcher von braunen Bereichen umgeben ist.
  • Das natürliche Habitat der Totenkopfschaben ist Mittel- sowie Südamerika. Zwar mögen sie eigentlich nur ein subtropisches Klima, aber man munkelt immer wieder, dass eine Weiterverbreitung durch den Menschen nicht ausgeschlossen werden kann. Sicher ist jedenfalls, dass die Tiere in Mexiko, Kuba, Belize, der Dominikanischen Republik und sogar in Florida heimisch sind. Die Tiere sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber lieber. Nur unter schattigen Bereichen und bei hoher Luftfeuchtigkeit trauen sie sich tagsüber aus ihren Verstecken.

Grundlagen über Riesenwaldschaben:

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Diese Art gehört ohne jeglichen Zweifel zu den größten Vertretern ihrer Spezies. Über 6 cm können die Weibchen in ganz seltenen Fällen groß werden. Die meist braun gefärbten Tieren weißen mehrere schwarze Flecken auf und bestechen so mit einem wunderschönen Aussehen. Ihre langen Flügel decken den gesamten Körper nicht nur ab, sondern überragen ihn auch. Als Laie ist es gar nicht so einfach Weibchen von Männchen zu unterscheiden.

Allerdings sind die Weibchen etwas massiger als ihre männlichen Kollegen. Zudem sind die letzten dorsalen Chitinfragmente vollständig zusammengewachsen. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass der Po einfach breiter ist. Obwohl die Schaben mit ihren Flügeln durchaus ein paar Meter weit schweben können, haben wir sie noch nie bei Flugversuchen beobachten können. Ein Deckel auf dem Zuchtbehältnis ist also nicht zwingend notwendig.

Allerdings wollen wir selbst nicht auf ihn verzichten. Sicher ist schließlich sicher. Des Weiteren ist uns beim Handling der Krabbeltiere aufgefallen, wie flink diese sind. Man kann sie beispielsweise kaum auf der Hand für ein Foto halten. Die wärmeliebenden Tiere versuchen in Windeseile zurück in ihre Zuchtbox zu kommen. Darin können die Insekten bis zu einem Jahr alt werden, obwohl das bei Futtertieren eher unwahrscheinlich ist.

Gut zu wissen:
Um Feinde abwehren zu können, verfügen diese Schaben über ein stark riechendes Sekret. Für uns Menschen ist dies zwar ungefährlich, allerdings kann es eine allergische Reaktion hervorrufen. Daher sollten Allergiker die Tiere nach Möglichkeit nicht mit der bloßen Hand entnehmen. Hier wäre eine lange Pinzette sinnvoll. Nicht zuletzt, da man das weit spritzende Sekret gar nicht so leicht aus den Klamotten herauswaschen kann.

Fortpflanzung der Totenkopfschaben:

Totenkopfschabe

Als begeisterter Terrarianer möchte man die Tiere eigentlich nicht jedes Mal als Futterinsekten im Internet bestellen oder den nächsten Zoofachhandel für den Erwerb aufsuchen. Das Züchten der Tiere klingt da schon viel interessanter und auf lange Sicht natürlich auch deutlich günstiger. Da diese Schaben sich rasch vermehren und keine allzu großen Anforderungen an die Haltung stellen, gelingt selbst Anfängern die Vermehrung.

Allerdings sollte man sich Ersteinmal mit den Grundlagen der Fortpflanzung bei Riesenwaldschaben beschäftigen. Die Tiere sind nämlich ovovipar. Hierbei handelt es sich um eine Spezialform, die sowohl Merkmale der Oviparie als auch der Viviparie aufweist. Natürlich sagen solche Fachbegriffe nur Biologen etwas. Für uns Laien ist eher die Praxis interessant. Ist ein Weibchen zur Paarung bereit, muss ein Männchen um sie kämpfen.

Die Balz möge beginnen:

Und das machen Totenkopfschaben auch. So wackeln die Männchen mit ihren Flügeln, um die Weibchen zu beeindrucken. Hat sich dieses nun für ein Männlein entschieden, gibt das andere selten kampflos auf. So kommt es in der Folge recht oft zu einem Machtkampf zwischen den Konkurrenten. Dabei beißen sich die Tiere gegenseitig in die Flügel oder knabbern die Beine des Gegenübers an. Daher ist das Besteigen des Weibchens gar kein so leichtes Unterfangen.

Gelingt es aber mit Erfolg, befruchtet das Männchen das Weibchen. Dafür kleben die Schaben ihre beiden Hinterteile aneinander und das für bis zu 15 Minuten. Nun muss man sich noch 3 bis 4 Wochen gedulden bis die 30 bis 50 Nymphen aus dem Eipaket schlüpfen. Dieses befindet sich in den Genitaltaschen des Weibchens und wird im Fachjargon als Oothek bezeichnet. Das Eipaket ist so schwer, dass die Weibchen ein Gewicht von bis zu 5 Gramm erreichen können.

Der Nachwuchs erblickt das Licht der Welt:

Direkt nach dem Schlupf sind die Larven ungefähr 6 bis 7 mm groß. Von nun an müssen sie sich über einen Zeitraum von 3 bis 4 Monaten immer wieder häuten, um ihre Endgröße zu erreichen. Die adulten Tiere leben nach der letzten Häutung nach unserer Erfahrung noch rund 6 bis 8 Monate. Damit können Riesenwaldschaben bis zu 1 Jahr und 2 Monate alt werden. Bis die Zucht vernünftig eingefahren ist, vergehen meist 10 bis 12 Monate.

Vorher können leider noch keine Tiere als Futter für Echsen und Co. entnommen werden. Zudem sollte man die Jungtiere von den adulten Riesenwaldschaben trennen. Macht man das nicht, werden viele der jungen Schaben verenden. Oft sogar etwas über 50 Prozent der kleinen Racker. Diese Schabenart ist nämlich kannibalisch veranlagt und betrachtet den eigenen Nachwuchs leider viel zu oft als Snack.

Gut zu wissen:
Frisch gehäutete Totenkopfschaben sind nicht braun gefärbt, sondern vollständig weiß. Es dauert noch etwas bis der Chitinpanzer ausgehärtet ist und seine normale Färbung bekommt. Entwischt mal ein Tier braucht man nicht gleich einen Kammerjäger zu holen. Hierzulande ist es für die Vermehrung außerhalb der Zuchtbox zu kalt. Das Überleben in der Wohnung gelingt nur mithilfe einer Winterstarre in der das Tier schließlich verendet.

Worauf es bei der Haltung ankommt:

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Wir fahren bei der Haltung dieser Krabbeltiere einen etwas pragmatischen Ansatz, da wir sie als Futtertiere halten. Allerdings kann man die wunderschön anzusehenden Schaben auch in einem richtigen Terrarium mit toller Einrichtung inmitten seines Wohnzimmers zur Schau stellen. Je nach persönlicher Vorliebe und Sinn und Zweck der Pflege muss man hier individuell entscheiden. Wir empfehlen für die Haltung folgende Ausstattung:

  • 1 Plastikbox / Terrarium / Aquarium in den Maßen 60 cm hoch, 30 cm breit und 30 cm tief. Nicht vergessen sollte man noch einen ordentlich abschließenden Deckel. Nicht, dass doch mal ein Tier aus den Becken herausfliegt.
  • Als Bodensubstrat nutzen wir ein bisschen Kokoshumus in den wir etwas Zierfischfutter einmengen. So finden die Tiere immer etwas Leckeres zu essen, wenn sie auf den Boden kommen. Natürlich kann man auch andere Arten von Humusziegeln oder gar Hackschnitzel in Betracht ziehen.
  • Als günstige Versteckmöglichkeit nutzen wir Eierkartons, die wir kreuz und quer übereinander im Becken stapeln. Die Schaben knabbern dieser recht gerne an, weshalb wir nur die Unterseite, also die Eierhalterung, einsetzen. Zur Beheizung greifen wir meist auf Heizmatten zurück. Natürlich tut es aber auch ein Wärmestrahler.

Ein Terrarium verfügt in der Regel über ausreichend Belüftungsflächen. Bei Aquarien oder normalen Plastikboxen ist dies nicht der Fall. Hier muss man mithilfe eines Bohrers oder eines günstigen Lötkolbens selbst Hand anlegen und die Lüftungslöcher hineinbohren oder schmelzen. Alternativ dazu kann man auch ein Rechteck aus dem Deckel herausschneiden und eine Fliegengaze einkleben.

Die Nahrung geben wir einfach so in das Innere des Beckens. Allerdings kann man auch 2 Schälchen für Wassergranulat und feste Nahrung nutzen. Allerdings lässt sich nur tote Nahrung wie Gemüse, Obst oder Tier-Trockenfutter in so einer Schale platzieren. Da diese Schaben ihre Beute aber auch gerne selbst erlegen, verfüttern wir ab und mal ein paar Mehlwürmer, Heimchen oder Heuschrecken.

Diese werden binnen kürzester Zeit erbeutet und dann verschleppt. Es dauert nur wenige Stunden bis die Futtertiere vollständig verputzt worden sind. In der Regel bekommen unsere Riesenwaldschaben aber übrig gebliebene Gemüse- und Obststücke aus der Küche. Gelegentlich freuen sie sich auch über Trockenfutter für Katzen. Um nicht zu dehydrieren ist Feuchtfutter aber stets die bessere Wahl.

Gut zu wissen:
Die Optimaltemperatur für die Nachzucht liegt bei 27 bis allerhöchstens 28 Grad Celsius. Allerdings können die kleinen Tiere auch bei 16 Grad Celsius noch in einer Art Winterstarre überleben. Vermehren werden sie sich aber bei dieser viel zu niedrigen Temperatur nicht mehr. Dies gilt übrigens auch bei Temperaturen oberhalb von 30 Grad Celsius sowie einer zu trockenen Haltung von unter 60 Prozent Luftfeuchte.

Unser kleines FAQ zum Abschluss:

FAQ

Totenkopfschaben sind faszinierende Futtertiere, deren Zucht sich auf jeden Fall lohnt. Gerade für Besitzer großer Reptilien handelt es sich hier um eine interessante Option, um etwas Geld in puncto Futtertiere einzusparen. Außerdem macht das ganze Vorhaben eine Menge Spaß und man lernt wirklich vieles über Schaben. Wie es aber immer so ist, klingt die Theorie einfacher als die Praxis. Daher haben wir den Artikel um ein FAQ ergänzt:

Wie schafft man optimale Voraussetzungen für die Zucht?

Die besten und natürlich auch schnellsten Ergebnisse erzielt man, wenn die Zuchtgruppe ungefähr zur Hälfte aus adulten und subadulten Tieren besteht. Die Männchen sollten dabei grundsätzlich in einem Verhältnis von 1 zu 4 vorhanden sein. Da die Riesenwaldschaben eher nacht- und dämmerungsaktiv sind, sollte man sie nicht zu viel oder zu lange beleuchten. Da die Tiere sich direkt nach dem Schlupf im Boden verkriechen, sollte dieser etwa 8 bis 10 hoch sein.

Wie verhindert man das Ertrinken von Jungtieren in der Tränke?

Die Trinknäpfe sollten nach Möglichkeit nicht über- oder gar auslaufen. Damit die Jungtiere im Inneren der Wassernäpfe nicht ertrinken, kann man entweder auf Granulat oder alternativ einen Schwamm setzen. Granulat ist dabei unsere Lieblingswahl, da es langsam verdunstet und damit recht lange im Napf bleibt. Wir sparen uns so also das fast schon tägliche Befüllen der Wasserschale.

Wie verhindert man den Befall mit Buckelfliegen?

Diese kleinen Störenfriede können in Windeseile zu einer wahren Plage im Terrarium werden. Schuld an dem Befall ist meist eine zu nasse Haltung der Schaben. Daher sollte das Becken sofort trocken gelegt werden. Diesen Schritt sollte man übrigens auch durchführen, wenn einmal der Wassernapf ausgelaufen ist. Es ist nämlich sehr schwierig die Buckelfliegen (Megaselia scalaris) erfolgreich zu bekämpfen.

Wird man nicht mehr Herr der Lage, muss man zudem die komplette Zucht vernichten. Zum Glück kann man davor aber noch etwas mithilfe von Mehlwürmen oder auch Buffalowürmer gegensteuern. Diese vertilgen die Eier der Buckelfliegen, welche diese ungeniert überall im Terrarium und sogar auf den Schaben ablegen. Man muss von diesen Helferlein aber große Mengen einsetzen, da sie selbst auf dem Speiseplan der Schaben stehen.

Über Maik Herrmanns 5 Artikel
Hey! Ich bin Maik und verfasse hier Beiträge über Warane. Seit über 10 Jahren halte ich die urigen Echsen und möchte meine Erfahrungen mit anderen Terrarianern teilen. Mein Ziel ist es bei Problemen weiterzuhelfen und Menschen über die komplizierte Haltung der faszinierenden Echsen aufzuklären.

2 Kommentare

  1. Vielen lieben Dank für den Beitrag. Mein 1. Versuch Totenkopfschaben zu züchten war nicht erfolgreich. Nachdem ich diesen Ratgeber gelesen habe, sind mir 1, 2 dumme Fehler aufgefallen. Seitdem läuft es ganz gut mit der Schabenzucht.

    • Hallo Susi, ein großes Dankeschön für deinen netten Kommentar. Es freut uns immer wieder, wenn wir Menschen mit unseren Artikeln weiterhelfen können. Wir wünschen dir noch viel Erfolg mit deiner Zucht.

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