Vogelspinne: Weibchen oder Männchen

Ob es sich bei einer Vogelspinne um ein Männchen oder ein Weibchen handelt, kann man nicht binnen weniger Sekunden erkennen. Zudem gehört auch etwas Erfahrung zur zielsicheren Geschlechtsbestimmung dazu. Solange es sich nämlich nicht um ein adultes Männchen handelt, kann man das Geschlecht nur mit viel Aufwand feststellen. Gemeint ist damit die binokulare Untersuchung, also das Inspizieren der Abdominalhaut mithilfe eines Mikroskops.

Wer allerdings nicht allzu viele Achtbeiner sein Eigen nennen kann, braucht nicht zwangsläufig ein so teures Gerät anzuschaffen. In so einem Fall eicht dann auch eine gute Lupe oder ein hochwertiges Vergrößerungsglas. Bevor man aber so viel Aufwand betreibt, sollte man bei adulten Vogelspinnen erstmal einen Blick auf die Extremitäten werfen. Bei erwachsenen Böcken erkennt man nämlich die Geschlechtsorgane, die sogenannten Bulbi, mit bloßem Auge.

Zudem besitzen viele Arten noch deutlich sichtbare Schienbeinhaken am ersten Beinpaar. Diese sekundären Geschlechtsmerkmale sind also einfach zu lokalisieren und können mit nichts anderem verwechselt werden. Leider ist nicht jede Geschlechtsbestimmung so anfängerfreundlich. Bei subadulten Tieren muss man nämlich bereits anders vorgehen. Hier wird die Vogelspinne von unten oder besser gesagt in der Rückenlage begutachtet.

Benannt wurde diese einfache Methode nach ihrem Erfinder Peter Klaas, den sicherlich viele als Autor von zig Fachbüchern rund um Vogelspinnen kennen. Woran man dann ein Weibchen oder ein Männchen erkennt, verraten wir dir gleich. Vorher wollen wir dir aber noch einen Tipp geben. Man kann die Häutungsreste seiner Vogelspinne auch sehr günstig bei vielen im Internet vertretenen Züchtern einschicken und dann begutachten lassen.

Dies hat den Vorteil, dass man sich nicht den ganzen Ratgeber durchlesen muss und sich Fachleute selten bei der Bestimmung des Geschlechts täuschen. Wer aber lieber selbst Hand anlegen will, wird von uns im Folgenden detailliert über die unterschiedlichen Methoden und deren Tücken aufgeklärt. Also fangen wir endlich mit dem Ratgeber über die treffsichere Geschlechtsbestimmung bei Vogelspinne an.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Die zuverlässigste und gleichzeitig auch aufwendigste Methode zur Geschlechtsbestimmung bei Vogelspinnen ist die binokulare Untersuchung. Hier wird Exuvie, also die Haut des Abdomens, unter einem Mikroskop untersucht. Weibliche Vogelspinnen erkennt man sehr gut an der Spermathek, welche sich zwischen den oberen Buchlungen befindet. Zudem erkennt man auch bei jungen Achtbeiner bereits die äußerliche Wölbung der oberen Lippe sowie die Nase.
  • Schneller und einfacher durchzuführen ist die Klaasche Methode. Allerdings ist sie etwas ungenauer und man benötigt eigentlich noch etwas Erfahrung bei der Geschlechtsbestimmung. Sinn und Zweck dieses Verfahren ist das Begutachten der Region oberhalb der Epigastralfurche. Dafür wird die Spinne von unten oder genauer gesagt in der Rückenlage inspiziert. Weibchen erkennt man anhand der deutlichen Erhebung der Nase sowie der starken Behaarung.
  • Adulte, männliche Vogelspinnen machen einem die Geschlechtsbestimmung am leichtesten. Nach der Reifehäutung besitzen die Tiere, nämlich leicht sichtbare sekundäre Geschlechtsmerkmale. Die Rede ist von den Bulben und den Schienbeinhaken. Erstere befinden sich an den Enden der jeweiligen Taster und sind immer eingeklappt. Die besagten Scheinbeinhaken befinden sich am ersten Beinpaar und sind nicht bei jeder Vogelspinnen-Art vorhanden.

Die Klaa‘sche Methode als schneller Check:

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Vorteile:

  • Einfach in der Durchführung
  • Schnell gemacht
  • Jederzeit möglich

Nachteile:

  • Vogelspinne muss angefasst werden
  • Bei kleinen Tieren unzuverlässig
  • Oftmals falsche Geschlechtsbestimmung

Diese Prozedur wird im Hobbybereich wohl am häufigsten angewendet. Deshalb stellen wir sie auch gleich zu Beginn vor. Zur Durchführung muss die Vogelspinne eingefangen werden. Damit man die Unterseite des Tiers vernünftig begutachten kann, sollte der sogenannte Spinnengriff genutzt werden. Dafür wird der Carapax mithilfe des Zeigefingers auf den Boden gedrückt. Danach bringt man Daumen und Zeigefinger zwischen dem 2. und 3. Beinpaar an.

Schon hat man die volle Kontrolle über die Vogelspinne und kann auch nicht mehr gebissen werden. Das Tier wird nun noch vorsichtig angehoben und auf den Rücken gedreht. Nun schaut man sich den Bereich oberhalb der Epigastralfurche und zwischen den beiden Fächerlungeneingängen an. Eine breite und dicke Erhebung deutet auf ein Weibchen hin. Es handelt sich hier nämlich um die Nase des weiblichen Epigastralbereichs.

Besonders gut lässt sich dieser Höcker im Querschnitt sehen. Dazu muss die Vogelspinne nur etwas zur Seite gedreht werden. Schon erkennt man den völlig behaarten Hubble. Männliche Tiere verfügen natürlich nicht über diese kleine Erhebung. Zudem sind die männlichen Achtbeiner an dieser Stelle fast gar nicht behaart oder besitzen nur einen kleinen Ring aus Haaren. Lässt sich nun noch ein Punkt in der Mitte erkennen, handelt es sich um ein Männchen

Entdeckt man bei genauerer Betrachtung noch sehr kleinen Öffnungen, handelt es sich um sogenannte Minnispinndrüsen. Unter dem Mikroskop sehen diese wie kleine Röhren aus. Aus ihnen kommt eine spezielle Form der Seide, die das Männchen zum Bau des Spermanetzes benötigt. Manchmal haben männliche Exemplare auf der Unterseite des Abdomens im Bereich der Geschlechtsöffnung noch einen Punkt. Dieser kann weiß oder auch dunkel gefärbt sein.

Gut zu wissen:
Zur Zucht ist die genaue Geschlechtsbestimmung überaus wichtig. Mit der Methode von Peter Klaas kann man sich einen ersten Eindruck verschaffen, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt. Leider gelingt dies bei kleinen Tieren oft gar nicht oder man vertut sich einfach. Als Züchter ist diese Methode daher nur für den groben Überblick geeignet. Für Hobbyhalter ohne Zuchtinteresse ist diese Methode aber empfehlenswert.

Binokulare Untersuchung der Abdominalhaut:

Binokulare Untersuchung der Abdominalhaut Vogelspinne

Vorteile:

  • Sehr zuverlässige Methode
  • Bei kleinen Achtbeinern möglich

Nachteile:

  • Kompliziert in der Durchführung
  • Mikroskop oder Lupe benötigt

Auch hier steht wieder die Region oberhalb der Epigastralfurche im Fokus. Allerdings geht es hier jetzt um die ansonsten verborgene Seite. Wir drehen die Haut zur Untersuchung sozusagen herum. Damit dies aber auch gelingt, muss die recht harte Abdominalhaut erstmal weich und dehnbar gemacht werden. Erreicht wird dies durchs Einweichen in Wasser oder Alkohol. Bei ersterer Variante mischt man aber noch etwas Spülmittel ins Wasser.

Entnimmt man die Haut relativ kurz nach der Häutung, kann man aber in der Regel auf obige Schritte verzichten. Allerdings sollte man der Vogelspinne nach dem kräfteraubenden Vorgang etwas Ruhe gönnen und nicht sofort das Terrarium öffnen. Zur Untersuchung wird die Haut ganz vorsichtig auseinandergefaltet. Wer hierbei Schwierigkeiten hat, kann sich mit Pinzetten und anderem Feinwerkmechaniker-Werkzeug behelfen.

Nun kann man auch schon die Region oberhalb der Epigastralfurche unter die Lupe nehmen. Zumindest gilt dies, wenn es sich um ein subadultes Tier handelt. Ist dem allerdings nicht so und es handelt sich um eine kleine Spinne, benötigt man ein Stereomikroskop. Untersucht man stattdessen die Haut eines größeren Achtbeiners, erkennt man alles Wichtige auch mit dem bloßen Auge.

Und wer keine Lupe besitzt, kann auch die Handykamera als Vergrößerungsglas einsetzen. Zudem kann so auch gleich ein paar Fotos für spätere Abgleiche mit neuen Häuten anfertigen. Außerdem lassen sich die Aufnahmen auch anderen Leuten zeigen und so weitere Meinungen einholen. Auch hier erkennt man weibliche Tiere wieder an der vorhandenen Spermathek oberhalb der Epigastralfurche.

Wichtig zu wissen ist hierbei, dass es 2 unterschiedliche Formen gibt. So kann die Samentasche ungeteilt sein, oft gibt es aber auch 2 deutlich sichtbare Abschnitte, die auch noch mal geteilt sein können. Wer ganz genau hinschaut, erkennt unterhalb der Spermathek noch eine Verdickung. Es handelt sich hier um die untere Lippe. Fehlen beide Geschlechtsmerkmale kann man davon ausgehen ein Männchen zu besitzen.

Gut zu wissen:
Möchte man bereits das Geschlecht von Vogelspinnen in den Nymphenhäuten bestimmen, sollte man sich auf die untere Lippe konzentrieren. Nach unseren Erfahrungen stellt diese ein zuverlässigeres Erkennungsmerkmal als die Spermathek dar. Schuld daran ist die Tatsache, dass Männchen vieler Arten eine kleine chitinisierte Stelle an der Epigastralfurche besitzen. Da während dieser Phase die Spermathek sehr klein ist, kann man beides leicht miteinander verwechseln.

Geschlechtsbestimmung bei adulten Männchen:

Männlein oder Weiblein? Wie man es zielsicher erkennt, erfährst du in den folgenden Zeilen.

Vorteile:

  • Verlässliche Geschlechtsbestimmung
  • Sehr einfache Umsetzung

Nachteile:

  • Nur bei adulten Tieren möglich
  • Scheinbeinhaken nicht bei allen Arten

Bei weiblichen als auch männlichen Vogelspinnen ist die Reifehäutung ein besonderer Moment. Endlich sind die Spinnen ausgewachsen und eignen sich zur Zucht neuer Vertreter. Damit man Achtbeiner aber auch erfolgreich miteinander verpaaren kann, braucht man Tiere beider Geschlechter. Eines der beiden macht uns die Bestimmung dabei besonders leicht. Die Rede ist natürlich von den Männchen.

Mit der letzten Häutung stellen sich 2 äußerlich sichtbare Geschlechtsmerkmale ein. An den Enden der beiden Taster haben sich sogenannte Bulben gebildet. Diese können je nach Art etwas in der Optik variieren und sind zudem noch eingeklappt. Genutzt wird dieses sekundäre Geschlechtsmerkmal zur Befruchtung des Weibchens. Die Bulben nehmen nämlich das Sperma auf, welches an der Epigastralfurche am Hinterleib austritt.

Allerdings gelingt dies nur mithilfe eines Gespinst namens Spermanetz. An diesem befestigt das Männchen seine Samenflüssigkeit, um diese später mit den Bulben aufnehmen zu können. Erst nach diesem Akt ist das Männchen endlich paarungsbereit und kann sein Sperma in die Samentaschen des Weibchens befördern. Neben den Bulben verfügen viele Arten noch über Schienbeinhaken am 1. Beinpaar.

Diese sind sehr groß und können nicht übersehen werden. Ihre Aufgabe ist das Blockieren der Beißklauen des Weibchens während des Geschlechtsaktes. Da man die beiden sekundären Geschlechtsmerkmale bei Männchen sehr gut sehen kann, muss die Vogelspinne zur Geschlechtsbestimmung nicht aus dem Terrarium geholt werden. Zudem klettern viele Tiere auf der Balz die Scheiben hoch, was eine gute Möglichkeit zur genaueren Betrachtung darstellt.

Gut zu wissen:
Diese Form der Geschlechtsbestimmung ist natürlich die schonendste und auch einfachste Methode. Allerdings hat nicht jeder die Zeit oder die Geduld bis zum letzten Moment zu warten. Daher empfiehlt sich diese Vorgehensweise eher nicht. Manchmal ist sie es aber, die einem darüber aufklärt, dass das geliebte Haustier doch kein Weibchen ist. Fehler passieren eben jedem einmal, auch dem erfahrensten Züchter.

Unser Fazit zum Abschluss:

Die genaue Bestimmung des Geschlechts kann sehr einfach oder auch sehr kompliziert sein. Als Anfänger sollte man sich zudem darauf einstellen bei der Methode von Peter Klaas auch mal daneben zu liegen. Und da nicht jeder von uns ein Mikroskop oder das nötige Fingerspitzengefühl zur Durchführung der binokularen Untersuchung der Abdominalhaut besitzt, passieren hier viele Fehler.

Wer sich bezüglich des Geschlechts sehr unsicher ist, kann ein Bild der Unterseite seiner Vogelspinne schießen und dieses in den einschlägigen Facebook-Gruppen und Foren posten. Ebenfalls kann man die Haut aus dem Terrarium holen und bei vielen im Netz gelisteten Züchtern einschicken. Diese führen dann eine professionelle Geschlechtsbestimmung der Vogelspinne gegen kleines Entgelt durch.


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