Wer sich noch nie detailliert mit Spinnen auseinandergesetzt hat, wird von den zahlreichen Fachbegriffen und deren Bedeutung verwirrt. So liest man immer wieder von Ausdrücken, wie Vorderleib, Hinterleib, Chelizeren oder auch Brennhaare. Was sich hinter den Begriffen versteckt und wo sich die betreffenden Merkmale am Körper befinden, verraten wir dir in unserem Ratgeber.

So lässt sich der Körper einer Vogelspinne in mehrere Abschnitte unterteilen. Da wären das Vorderteil (Prosoma) mit den vier Laufbeinpaaren (Extremitäten), den Tastern (Pedialapen) und den Giftklauen (Cheliceren). Weiterhin verfügen die Tiere über einen imposanten Hinterleib (Abdomen) mit Spinnwarzen. Diese werden gebraucht, um Spinnseide für Kokons & Co. zu produzieren.

Selbstverständlich kann man bei jedem Bereich sehr stark ins Detail gehen. Allerdings muss man als Einsteiger nicht gleich alle Bereiche, Körperteile und deren Funktionen auswendig lernen. Interessant sind die folgenden Ausführungen aber trotzdem. Gerade als künftiger Halter sollte man die ganzen Erklärungen über den Habitus einer Vogelspinne zumindest einmal gelesen haben.

Gut zu wissen:
Vogelspinnen sehen nicht besonders gut. Trotzdem haben die Tiere Haupt- als auch Nebenaugen. Diese befinden sich auf dem Augenhügel und sind sehr klein. Für das Wahrnehmen von Bildern und Farben sind die Hauptaugen verantwortlich. Die Nebenaugen hingegen nehmen Bewegungen wahr. Insgesamt haben Vogelspinnen 8 paar Augen.

Der Vorderleib (Prosoma) von Vogelspinnen erläutert:

Der Begriff stammt aus dem Griechischen. An ihm sitzen die Augen der Tiere, ihre paarigen Mundwerkzeuge (die Cheliceren und Pedipalpen) sowie die acht Beine. Auf der Oberseite befindet sich das Kopfbrustschild, welches im Fachjargon als Carapax bezeichnet wird. Es hat ein großes Aufgabenspektrum, das man getrost als vielseitig bezeichnen kann.

So übernimmt es eine Stützfunktion und bietet Platz für die weichen Körperteile der Vogelspinne. Am Kopfabschnitt des Schildes befindet sich ein Augenhügel. Dieser verfügt über 8 symmetrisch angeordnete Punktaugen. Interessant ist hierbei zu wissen, dass die Augenstellung häufig als Bestimmungsmerkmal herangezogen wird.

Die sternenförmige Platte auf der Unterseite des Vorderleibs ist das Sternum. Direkt angeschlossen erkennt man die bewegliche Unterlippe (Labium). Diese dient mitsamt den links und rechts an den Coxen befindlichen Kiefertastern (Pedipalpen) sowie den Kauladen zur Nahrungsaufnahme.

Wenn man ganz genau hinsieht, erblickt man im hinteren Drittel die Thoraxgrube. Von dieser aus ziehen sich die Radialstreifen bis hin zu den Ansätzen der Beine. In der Regel lässt sich der erste Radialstreifen sehr gut erkennen. Er gilt auch als Grenze zwischen Kopf- und Brustteil. Im Vorderleib der Vogelspinnen befindet sich der Saugmagen, das Gehirn und viele Bestandteile des Verdauungssystems.

Gut zu wissen:
Bei manchen Arten lässt sich der erste Radialstreifen besonders gut erkennen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Art Brachypelma emilia. Hier ist der Kopf deutlich dunkler gefärbt als das Bruststück.

Der Hinterleib (Opisthosoma) in der Erklärung:

Vogelspinne Oberseite

Der hintere Körperteil der Vogelspinnen wird von als Opisthosoma oder häufig auch als Abdomen bezeichnet. Der nicht segmentierte Hinterleib schließt sich mit einem kleinen Verbindungsstück an den Vorderleib an. Dieses wirkt aufgrund der geringen Länge relativ unscheinbar, allerdings ist das sogenannte Petiolus beweglich am Prosoma angebracht.

Der Hinterleib der Vogelspinnen ist sehr empfindlich. Schließlich ist dieser nicht mit einem durchgängigen Exoskelett umgeben. Zudem übernimmt das Abdomen viele überlebenswichtige Funkionen und dient als Ort für viele wichtige Organe. Des Weiteren dient es als Energie- und Nahrungsspeicher.

Als Speicher funktioniert der Hinterleib so gut, dass Vogelspinnen mehrere Monate am Stück fasten können. Weiterhin befindet sich zum Beispiel das Herzen, der Eiervorratsbehälter sowie der Samenbehälter im Abdomen. Allerdings wollen wir uns an dieser Stelle nicht mit der inneren Anatomie von Vogelspinnen auseinandersetzen. Uns geht es ja um das Erscheinungsbild.

Schaut man genau hin, erkennt man mehrere Spinnwarzen. Mit diesen kann das Tier Spinnseide produzieren. Eingesetzt wird diese zum Selbstschutz, zur Fortpflanzung oder bei der Nahrungsaufnahme. Ebenfalls auf dem Hinterleib befinden sich die Brennhaare bei vielen amerikanischen Exemplaren. Diese werfen die Vogelspinnen bei einer Bedrohung ab. Sie sorgen für starke Hautreizungen und extremen Juckreiz beim Angreifer.

Weiterhin weist die Unterseite des Hinterleibs noch vier Öffnungen an der Seite auf. Echte Kenner bezeichnen diese als Stigmen. Des Weiteren lässt sich noch die Epigastralfurche also die Geschlechtsöffnung zwischen den Stigmen der vorderen Buchlungen erkennen. Beim Geschlechtsakt führt das Männchen hier die Enden seiner Taster ein

Gut zu wissen:
Der Hinterleib kann sich stark ausdehnen. Dies erkennt man beispielsweise nach jeder Mahlzeit oder während einer Trächtigkeit. Stürzt das Tier bei einem Kletterversuch ab und landet dabei direkt auf den Hinterleib, kann dieser aufplatzen. Meist führt dies zu einem schnellen Verbluten der Vogelspinne.

Die Vogelspinnen-Extremitäten veranschaulicht:

Vogelspinne Beinbaare

Liest man von dem Ausdruck Extremitäten bei Vogelspinnen, sind entweder die Cheliceren, die Kiefertaster oder auch die Laufbeine gemeint. Alle 3 sind auf ihre Weise interessant und man muss ein paar Dinge über sie wissen. Mehr dazu in den folgenden Absätzen.

Beinabschnitte:

Schaut man sich den Körper der Vogelspinnen genauer an, fallen einem die Laufbeine auf. Diese werden bei den meisten Gattungen in sieben Segmente unterteilt. Bei einigen gibt es aber noch einen weiteren Abschnitt. Nämlich die sogenannten Schienbeinhaken (Tibiaapophysen). Man findet sie am ersten Beinpaar.

Allerdings verfügen nur die adulten Männchen über diese Haken. Sie helfen dabei beim Paarungsakt die Giftklauen der Weibchen zu blockieren. Neben den bereits erwähnten Vogelspinnen-Gattungen gibt es noch weitere Vertreter mit diesem Phänomen. Alle 8 Segmente der Laufbeine werden wie folgt bezeichnet:

  • Fuß (Tarsus)
  • Mittelfuß (Metatarsus)
  • Schiene (Tibia)
  • Knie (Patella)
  • Schenkel (Femur)
  • Schenkelring (Trochanter)
  • Hüfte (Coxa)
  • Schienbeinhaken (Tibiaapophysen)

Betrachtet man die Füße und Mittelfüße genau, sieht man auf der Unterseite häufig sogenannte Hafthaarpolster. Sie werden auch als Skopula betitelt und helfen beim Klettern. Die Vogelspinnen können mithilfe dieser Hafthaare sogar senkrecht an glatten Baumstämmen oder Steinen emporklettern. Auch Terrarienscheiben können hiermit erklommen werden.

Ganz am Ende der Laufbeine sitzt eine einziehbare Kralle, die im sogenannten Krallenträger (Onychium) liegt. Es handelt sich hierbei um ein weichhäutiges Gewebe. Schaut man ganz genau hin, sieht man die paarweise angeordneten Krallen unter den feinen Haarbüscheln.

Chelizeren:

Hinter dem Begriff Cheliceren verseht man die beiden Beißklauen der Vogelspinnen. Sie sind relativ auffällig platziert, schließlich ragen sie unter dem Carapax hervor. Sie gehen nach unten und klappen dann zur Vogelspinne hin ein. Im Gegensatz zu den echten Webspinnen sind sie Cheliceren parallel zur Körperlängsachse ausgerichtet.

Benötigt werden die beiden Klauen, um beim Zubeißen Gift in den Körper der Beute zu injizieren. Damit dies gelingt, befindet sich in jeder Klaue eine längliche Giftdrüse im oberen Teil. Mithilfe eines Kanals wird das Gift dann transportiert. Allerdings hilft das Gift nicht nur beim Betäuben der Opfer. Es zersetzt auch den Körper der Beute und ermöglicht so das anschließende Aussaugen.

Kiefertaster:

Direkt an die Cheliceren schließen sich die sogenannten Pedialpen an. Diese Kiefertaster erinnern von der Optik her an verkürzte Laufbeine, da sie nur 6 Segmente besitzen. Sie dienen als Tastorgane und unterstützen beim Beutefang die Vorderbeine. Bei Jungtieren sowie Weibchen werden sie zusätzlich als Laufbeinpaar eingesetzt.

Interessant zu wissen ist, dass sich bei den Männchen die Kiefertaster mit der Reifehäutung final verändern. Nun findet man an den Enden noch äußere Geschlechtsorgane. Im Fachjargon sind diese unter der Bezeichnung Bulbi beschrieben. Sie sind beim lebenden Tier eingeklappt und dienen häufig als Merkmal zur Geschlechts- und Gattungsbestimmung.

In den birnenförmigen Behältern lagern die Männchen ihr Sperma, welches sie später zur Begattung der Weibchen benötigen. Bevor es aber so weit kommt, kann man ein anderes Verhalten bestaunen. Adulte Männchen trommeln mit den Kiefertastern, um Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Haben diese Interesse an einem Paarungsakt, spiegeln sie das Verhalten und nutzen häufig noch das erste und zweite Beinpaar zum Trommeln.

Gut zu wissen:
Das Blut aller Spinnentiere und damit auch der Vogelspinnen wird als Haemolymphe bezeichnet. Es macht etwa 20 % des Gesamtgewichts der Tiere aus und ist bläulich. Der Grund dafür ist das kupferhaltige Haemocyanin.

Eine Einführung in die Behaarung von Vogelspinnen:

Vogelspinne Behaarung

Charakteristisch ist bei diesen Spinnen die starke Behaarung. Sie ist nicht nur wunderschön anzusehen, sondern erfüllt auch diverse Zwecke. Zudem sind die Tiere stärker behaart, als man meinen könnte. Gerade die feineren Haare lassen sich nicht mit dem bloßen Auge erkennen. Hier ist ein Mikroskop ein Muss.

Geruchshaare:

Die meisten Haare, die sich an den Tastern und dem ersten Beinpaar befinden, sind die stark gefiederten Geruchshaare. Sie können aber nicht nur einfach Gerüche wahrnehmen, sondern diese sogar noch unterteilen. So erkennen Vogelspinnen mithilfe ihrer Geruchshaare Wasser und die Qualität von Nahrung.

Ein interessanter Fakt ist, dass auch Vogelspinnen auf Sexualduftstoffe setzen. Diese als Pheromone bezeichneten Duftstoffe dienen zum Anlocken eines Sexualpartners. Dank der Geruchshaare kann die Spinne die Stoffe erschnüffeln und so einen passenden Partner zum Paarungsakt finden.

Hafthaare:

Schaut man sich die Tarsen (Füße) und Metatarsen (Mittelfüße) genauer an, stechen einem die dicken Haarpolster ins Auge. Bezeichnet werden sie als Haftpolster oder auch Scopula. Etwa 100 Millionen von ihnen befinden sich an den Enden der Laufbeine. Sie sorgen mit dafür, dass die Vogelspinnen an senkrechten und glatten Oberflächen emporklettern können. So sind beispielsweise Terrarienscheiben absolut kein Hindernis für die ausgesprochen guten Kletterer.

Allerdings reichen die Hafthaare nicht in jeder Situation aus, um das hohe Gewicht der Spinnen zu tragen. Daher werden klebrige Spinnfäden für eine bessere und vor allem sichere Haftung genutzt. Diese stammen aus winzigen Drüsen an den Tarsen. Damit sich die Hafthaare sowie die Spinnfäden für weitere Schritte lösen lassen, gibt es die in die Haarpolster eingebetteten beweglichen Dornen.

Hörhaare:

Natürlich dienen Haare niemals als Ersatz für ein Gehör. Allerdings können Vogelspinnen Luftschwingungen als auch niederfrequente Schallwellen mit ihren Hörhaaren wahrnehmen. Diese Haare sitzen auf einer beweglichen Membran und können teilweise sogar mit dem menschlichen Auge gesehen werden.

Die Hörhaare sind hauptsächlich auf den Beinen verteilt und kommen dort in einer unterschiedlichen Dichte daher. Sie erkennen jegliche Form der Luftbewegung und natürlich auch das Trommeln von männlichen Tiere auf der Suche nach einer Partnerin. Außerdem erkennen Baumbewohner mit den Hörhaaren die Luftschwingungen von sich nähernden Insekten. Genial, oder?!

Tasthaare:

Am ganzen Körper verteilt befinden sich Härchen, die als Tasthaare betitelt werden. Die stark an den Extremitäten vorkommenden Haare kümmern sich um das mechanische Wahrnehmen der Umgebung. Sie sind sozusagen die Fühler der Vogelspinnen. Da viele Vogelspinnen-Gattungen in finsteren Höhlen leben, brauchen sie ein gut funktionierendes Tastorgan.

So helfen ihnen die Tasthaare beispielsweise dabei die Größe und Form eines Tunnels zu bestimmen. Außerdem können so Hindernisse, Beutereste oder auch andere Dinge im Finsteren ertastet werden. Schließlich kann man aufgrund fehlenden Lichts nichts oder nur wenig mit den Augen erkennen.

Brennhaare:

Amerikanische Vogelspinnen sind für das Bombardieren ihrer Angreifer bekannt. Hierunter versteht man das in die Luft wirbeln der auf dem Hinterteil befindlichen Brennhaare. Berühren diese nun den Angreifer kommt es bei ihm zu Juckreiz und Hautrötungen. Gelangen sie gar in die Atemwege oder Schleimhäute sind Hustenkrämpfe die erste Reaktion des Körpers.

Gut zu wissen in puncto Brennhaare ist, dass man seine Augen vor ihnen schützen sollte. Außerdem ist es empfehlenswert nach dem Anfassen der Tiere die Hände zu waschen. Des Weiteren kleiden viele Arten ihre Wohnhöhlen mit den pfeilspitzen Haaren aus. So dienen diese als passiver und hocheffizienter Schutz gegenüber Eindringlingen aller Art.

Wenige Arten gehen sogar noch einen Schritt weiter und spicken ihren Häutungsteppich mit den Brennhaaren. Da sie in dieser Phase sehr verletzlich sind, ist dies keine schlechte Idee. Gleiches gilt auch für den Brennhaar-Schutzteppich rund um die fertiggestellten Eierkokons. Schutz muss schließlich sein.

Gut zu wissen:
Nicht nur amerikanische Gattung haben Brennhaare. Auch viele Vogelspinnen der Alten Welt verfügen über diese nützlichen Härchen. Allerdings nutzen sie diese nicht zur aktiven Verteidigung.
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