Vogelspinnenhaut

Von Zeit zu Zeit steht bei unseren geliebten Vogelspinnen die Häutung an. Es handelt sich hierbei jedes Mal um eine spannende und zugleich auch kritische Phase. Schließlich gelingt die Befreiung aus der harten Chitinhülle nicht immer ohne Komplikationen. Abgesehen davon erschrecken sich viele Einsteiger, wenn die geliebte Spinne rücklings am Boden liegt und wild mit ihren Beinen zuckt. Aber keine Sorge, das ist vollkommen normal.

Nur so kann sich das Tier nämlich vom starren Panzer befreien. Ist die Prozedur nach aller Quälerei erfolgreich gemeistert, liegt die Vogelspinne oft noch ein paar Minuten regungslos dar. Das Tier ist aber nicht in eine Schockstarre verfallen, sondern muss lediglich etwas Kraft fürs Aufstehen sammeln. Für das Herausholen der Chitinhülle aus dem Terrarium müssen wir uns also noch ein wenig gedulden.

In der Regel läuft die Prozedur bei Vogelspinnen beschwerdefrei ab. Ab und an können sie aber schon mal ein Beinchen verlieren. Dieses wächst aber bei der nächsten Häutung wieder nach und stellt daher keinen Grund zur Sorge dar. Gerade bei Jungtieren wird man oft Zeuge der Häutung. Umso älter die Tiere werden, desto seltener trennen sie sich von ihrem Panzer. Warum dem so ist und was man als Halter unbedingt wissen muss, verraten wir dir nun.

Warum sich Vogelspinnen häuten:
  • Zur Erneuerung von abgeworfenen und verletzten Gliedern
  • Zur Beseitigung von Stoffwechselabfallprodukten
  • Zur Regenerierung von Brennhaaren bei Bombardierspinnen

Grundlegendes zur Vogelspinnen-Häutung:

Vogelspinne Häutungsreste

Vogelspinnen sind relativ klein und können sich daher schlecht gegen größere Gegner wehren. Dies ist aber gar nicht so problematisch, da ihr Körper mithilfe einer harten Chitinhülle geschützt ist. Sie tragen sozusagen permanent eine Ritterrüstung mit sich herum. Allerdings kann diese nicht mitwachsen, weshalb sich die kleinen Spiderlinge in relativ kurzen Abständen ihrer starren Hülle entledigen müssen.

Bestimmt hast du in diesem Zusammenhang schon mal den Begriff Fresshaut gehört. Damit ist die Anzahl der bisher erfolgten Häutungen gemeint. Diese finden bei Weibchen ein Leben lang statt. Sind sie einmal erwachsen geworden, häuten sie sich etwa einmal im Jahr. Männchen hingegen vollziehen dieses Verfahren nur bis zur Geschlechtsreife. Man spricht dann von der Reifehäutung. Je nach Art leben die Tiere dann noch wenige Monate bis ungefähr ein Jahr.

Die Häutung bei Vogelspinnen ist ein erstaunlicher Prozess. Während dieses Vorgangs erneuern sich nämlich alle Augen und Zähne. Sogar abgebrochene Beine wachsen dabei wieder nach. Es ist wirklich immer wieder erstaunlich, was Mutter Natur anderen Spezies an Selbstregenerationsfähigkeiten spendiert hat. Da kann man als Mensch nur neidisch werden.

Gut zu wissen:
Das Abwerfen der starren Hülle ist ein kraftraubender und zugleich auch gefährlicher Prozess. Ab und an geht nämlich etwas schief und die Spinne verletzt sich. In der freien Wildbahn sind die Tiere während dieser Phase zudem noch sehr leichte Beute. Um es den Fressfeinden nicht ganz so einfach zu machen, ziehen sie sich meist in ihre Unterschlüpfe zurück und kleiden diese vorher noch mit ihren Brennhaaren aus.

Die Häutung kündigt sich an:

Die Vogelspinne wird träge und frisst immer weniger. Schließlich verweigert sie die Nahrung völlig und zieht sich in ihren Unterschlupf zurück. Dort verweilt sie häufig mehrere Wochen und beginnt dabei den Eingang mit Fäden zu verschließen. Nicht selten werfen Bombardierspinnen dabei einen Teil ihrer Brennhaare ab. All diese Bemühungen dienen dem Schutz vor Angreifern.

Oftmals wird dieses Verhalten von Anfängern falsch interpretiert und sie bemühen sich um Hilfe von erfahrenen Haltern oder Tierärzten. Allerdings ist dies überhaupt nicht nötig. Auch dann nicht, wenn sich die Spinne über mehrere Wochen in ihrem Unterschlupf verbarrikadiert. Wer seine Bomabrdierspinne vor dem Verkriechen genau angesehen hat, kann nicht selten eine Glatze auf dem Abdomen erkennen.

Die Haut ist dort dann nicht hell, sondern dunkel gefärbt. Manchmal erkennt man auch erst ein paar dunklere Pigmente, die sich mit der Zeit zu einem braunen oder schwarzen Teppich vereinen. Schuld daran ist die sogenannte Exuvialflüssigkeit. Sie sammelt sich zwischen der alten und neuen Haut an. Gebraucht wird sie aus einem ganz bestimmten Grund, nämlich dem leichteren Abstreifen der Chitinhülle.

Sobald wir ein Anzeichen für eine bevorstehende Häutung bemerkt haben, müssen wir als Terrarianer ein paar Vorsichtsmaßnahmen einleiten. Punkt 1 ist dabei immer der Verzicht auf die Gabe von Lebendfutter. Die Insekten könnten die Spinne während der Häutung nämlich anknabbern und damit schwer verletzen. Befinden sich noch Futtertiere im Terrarium, sollten diese präventiv entfernt werden.

Im gleichen Atemzug erhöhen wir die Luftfeuchtigkeit im Becken etwas. Danach ziehen wir uns als Vogelspinnenhalter zurück. Wir erledigen nur noch unabdingbare Arbeiten im Terrarium und lassen die Spinne ansonsten in Frieden. Das Tier benötigt nun, nämlich jede Menge Ruhe. Ansonsten kann es aufgrund von Stress zu Fehlhäutungen kommen. Und so etwas will man bestimmt nicht beim eigenen Haustier erleben müssen.

Gut zu wissen:
Nicht jede Vogelspinne sucht zur Häutung ihr Versteck auf. Einige Tiere legen auch mitten im Terrarium einen Teppich aus Spinnfäden an. Dies ermöglicht es uns Haltern den gesamten Häutungsprozess live mitzuerleben oder gleich mittels Kamera zu dokumentieren. Bombardierspinnen versehen ihren Teppich aus Fäden meist noch mit möglichst vielen Brennhaaren zum Schutz gegenüber Angreifern.

Die Vogelspinne streift ihre starre Hülle ab:

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Mit Mühe und Not hat sich das Tier auf seinen Rücken gedreht. Nun platzt auch schon der Cephalothorax sowie das Abdomen auf. Die Spinne wird nun über mehrere Stunden hinweg pressen. Dabei darf man sie auf keinen Fall stören. Auch nicht, wenn der Vorgang bereits über 8 oder 9 Stunden dauert oder das Tier kurzzeitig regungslos herumliegt. Tut man es doch, können die Beine beispielsweise stecken bleiben.

Dann bleibt der Spinne nichts anderes übrig, als sie schweren Herzens abzutrennen. Zwar ist dies nicht weiter schlimm, aber der Beutefang wird bis zu nächsten Häutung mit größeren Herausforderungen verbunden sein. Auch das Abknicken eines Fußes kann vorkommen. Entweder durch ein Aufhelfen durch den Halter oder aufgrund einer Flucht vor dessen Hand. Als Mensch sollte man das Tier nur unauffällig beobachten und nicht selbst eingreifen.

Manchmal wird man dabei sogar Zeuge, wie sich Arten der Gattung Brachypelma im Stehen häuten. Ansonsten läuft der Prozess bei allen Spinnen gleich ab. Unter erhöhtem Blutdruck und mit stark erhöhter Herzfrequenz werden hauptsächlich Haemolymphevom in den vorderen Körper transportiert. Infolge dessen kommt es zu einer Gewichtszunahme von bis zu 80 % und der Carapax bricht unter dem Druck auf.

Nun fehlt nur noch der Hinterleib. Mithilfe von wellenförmigen Kontraktionen der Muskulatur wird die runzelige Haut abgestreift. Es handelt sich hier wohl um den einfachsten Teil. Jetzt muss das Tier noch seine Beine befreien. Dies ist die verletzungsanfällige Phase der gesamten Häutung. Auch hier kommen wieder Muskelkontraktionen, aber diesmal vom Vorderleib zum Einsatz. Nach und nach kann die Spinne dann ihre Beine befreien.

Ist es ihr endlich geglückt, hält sie oft für ein paar Minuten inne, bis sie anfängt ihre Beine gymnastisch zu bewegen. Dabei handelt es sich aber um keinen epileptischen Anfall, sondern um das Aufstehen. Leider werden dabei in ganz seltenen Fällen noch die Extremitäten verletzt oder gar abgetrennt. Auch hier gilt wieder, dass sich diese bis zur nächsten Häutung regeneriert haben.

Gut zu wissen:
Die neue Chitinhülle muss noch aushärten. Das heißt, dass die Klauen zu Beginn noch sehr biegsam und damit weich sind. Es dauert daher ca. 7 bis 14 Tage bis die Spinne wieder gefahrlos fressen kann. Grundsätzlich lässt sich dabei sagen, dass die Häutung bei Spiderlingen schneller vonstattengeht und sie auch früher wieder gefüttert werden können. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, gibt ihnen aber erstmal kein Lebendfutter.

Unser FAQ zum Abschluss:

FAQ

Kaum ein anderes Thema interessiert unsere Leser bei Vogelspinnen so stark, wie die Häutung. Aufgrund dessen erreichen uns immer wieder zahlreiche Fragen, die wir gerne beantworten. Damit aber auch du in den Genuss dieses Service kommst, haben wir ein kleines FAQ erstellt. Darin beantworten wir die am häufigsten gestellten Fragen kurz und knapp:

Wie kann man als Halter bei der Vogelspinnen-Häutung helfen?

Im Prinzip leider gar nicht. Allerdings kann man einige Schritte vollziehen, um das Tier bei der Prozedur zu unterstützen. Bei den ersten Anzeichen der Häutung sollte die Luftfeuchtigkeit angehoben werden. 80 bis 90 Prozent Luftfeuchte dürfen es da selbst bei Wüstenbewohnern ohne Weiteres sein.

Ab und an kommt es vor und nach mehr als 24 Stunden stecken immer noch Beine in der alten Haut. Manchmal zieht die Vogelspinne Teile der alten Haut hinter sich her. Bei solchen Fehlhäutungen gibt es eine ganz einfache Lösung: Sprühe die Vogelspinne vorsichtig mit etwas Wasser ein. Hilft auch das nicht, dann entferne die Haut mit einer Pinzette. Gehe dabei aber mit aller größtem Fingerspitzengefühl an die Sache heran.

Wie oft häuten sich Vogelspinnen?

Zu Beginn kommt es bei Spiderlingen bis zu 2 Mal im Monat zu dieser kräfteraubenden Prozedur. Mit der Zeit häuten sie sich dann nur noch alle 3 bis 4 Monate. Adulte Weibchen häuten sich meist 1, maximal 2 Mal pro Jahr. Männliche Tiere hingegen häuten sich das letzte Mal beim Erreichen der Geschlechtsreife. Im Fachjargon bezeichnet man diesen Umstand als Reifehäutung. Danach leben die Spinnen etwas noch 6 bis 18 Monate.

Wie kann man die leere Hülle konservieren?

Direkt nach dem Abstreifen ist der Panzer noch ganz weich. Die von Profis als Exuvie bezeichnete Hülle muss man vorsichtig mithilfe einer Pinzette aus dem Terrarium entfernen. Bevor man aber diesen Arbeitsschritt vollziehen kann, muss man erst mal warten bis sich die Vogelspinne zurückgezogen hat oder bei einer Höhlenhäutung aus genau dieser herausgekommen ist.

Diese durchaus lange Zeitphase kann man nutzen, um eine Schüssel mit lauwarmen Wasser und etwas Spülmittel vorzubereiten. Die Chitinhülle kommt dann für ungefähr 30 Minuten zum Einweichen in das Gefäß. Danach wird sie mit allergrößter Vorsicht auf ein Papiertuch gelegt und mit der Pinzette in Form gebracht. Nun muss man sich noch einen Tag gedulden und das Ergebnis mit etwas Haarlack fixieren.

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