Haplotank

Wer sich intensiver mit der Haltung unterirdisch lebender Vogelspinnen beschäftigt, wird über kurz oder lang mit dem Wort Haplotank konfrontiert werden. Gerade bei den Vogelspinnenarten Haplopelma, Selenocosmia und Coremiocne-mis haben sie die handelsüblichen Glasterrarien mit Gazedeckel abgelöst. Zwar eignen sich auch diese zur Unterbringung von Röhrenbewohnern, aber Zuchterfolge bleiben meist aus.

Natürlich kann dies noch andere Ursachen haben. Allerdings lässt sich festhalten, dass die Tiere in solchen Behausungen relativ oft kränklich werden. Das Abdomen schrumpft aufgrund mangelndes Appetits und weist häufig eine schrumpelige Struktur auf. Auch das Häuten will nicht mehr so recht klappen. Die Spinnen bleiben mit ihren Beinen in der alten Haut stecken oder schleifen gar Häutungsreste mit sich herum.

Schuld daran ist die Konsistenz des Bodensubstrats. Es trocknet nämlich viel zu schnell aus. Unsere asiatischen Vogelspinnen brauchen aber einen feuchten Bodengrund, um sich wirklich wohlzufühlen. Sprühen und Gießen allein reicht da aber nicht aus. Der Boden muss geflutet werden. Da dies mit normalen Terrarien aber nicht funktioniert, musste eine Lösung her. Der Haplotank war erfunden. Was man darüber wissen muss, verraten wir dir in diesem Guide.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Bauarten: Becken aus Plexiglas, echtem Glas oder fertige Vorratsdosen. Zur Lüftung werden Löcher gebohrt oder alternativ Gazestreifen und Lochbleche eingesetzt.
  • Technik: Heizmatte, Beleuchtung, Thermometer & Hygrometer.
  • Einrichtung: Wassernapf, Bodensubstrat & Umweltpolizei in Form von weißen Asseln und Springschwänzen.
  • Dekoration: Korkstücke, Rückwand, Steine, Wurzeln, Laub, Moos & echte sowie künstliche Pflanzen.

Was ist ein Haplotank für Vogelspinnen genau?

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Es handelt sich hier um ein besonders hohes Terrarium, das über einen abnehmbaren Deckel verfügt. Charakteristisch für diese Art von Becken sind die oben sowie unten vorhandenen Löcher. Diese dienen aber nicht nur der Luftzirkulation, sondern werden auch als Be- und Entwässerungsmöglichkeit genutzt. Nicht immer werden dafür Löcher in das Material gebohrt. Man findet häufig auch eingeklebte Lochbleche oder Gazestreifen.

Zu Beginn wird Haplotank bis etwa 10 cm unter den Deckel mit Bodensubstrat gefüllt. Danach wird noch ein Tunnel entlang der Wand vorgestochen. Hierfür kann man beispielsweise einen kleinen Stock nutzen. Nimmt die Spinne diese Röhre an, kann man sie darin später problemlos beobachten. Zum Abschluss wird das Terrarium noch geflutet, gegossen oder getränkt. Wer will, kann noch eine Heizmatte zur Temperatursteuerung anbringen.

Da die Tiere nur selten aus ihren Wohnröhren herauskommen, ist eine Beleuchtung zur Erhaltung des Tag-Nacht-Rhythmus aber nicht zwingend notwendig. Wer die Lampe allerdings zur Beheizung oder Beleuchtung der Pflanzen einsetzen möchte, kann dies gerne tun. Ein Hygro- sowie Thermometer sind auch hier Pflicht. Damit die Vogelspinne ihre an der Scheibe ausgestochene Röhre nicht zu spinnt, sollte diese tagsüber abgedunkelt werden.

Gut zu wissen:
Anfangs musste man Haplotanks noch selber bauen. Inzwischen werden diese aber auch auf diversen Börsen vertrieben. Darüber hinaus kann man die speziellen Behausungen auch online kaufen. Wer lieber selbst Hand anlegen möchte, kann in wenigen Minuten aus Plastikboxen passende Terrarien für seine röhrenbewohnenden Vogelspinnen bauen. Allerdings braucht man dafür einen Lötkolben und etwas handwerkliches Geschick.

Wie kann man einen Haplotank selber bauen?

Die schnellste, günstigste und auch einfachste Methode ist das Modifizieren von Plastikbehältnissen. In der Regel werden dafür große Vorratsdosen ohne Schraubverschluss genutzt. Mithilfe eines Lötkolbens werden dann an der Unter- und Oberseite Löcher eingeschmolzen. Wer kein solches Werkzeug besitzt, kann auch einen Akkuschrauber nutzen. Hier ist dann darauf zu achten, dass man nicht mit zu viel Druck bohrt. Ansonsten reißt das Plastik nämlich schnell.

Nicht vergessen darf man nach dem Bohren das sogenannte Entgraten. Gemeint ist damit das Entfernen von scharfen Kanten und Auffasserungen. Genutzt wird hierfür ein spezieller Bohrer, welcher im Fachjargon als Kegelsenker bezeichnet wird. Die Löcher am Haplotank sollten etwa 4 mm groß sein und in einem Abstand von 1 bis 1,5 cm zueinander gefertigt sein. Wer möchte, kann im Deckel noch ein Rechteck herausschneiden und einen Gazestreifen einkleben.

Zwar geht diese Form des Selbstbaus schnell und erfordert kaum handwerkliches Geschick, aber die Optik mag nicht jeden überzeugen. In so einem Fall muss man dann zu echtem Glas oder Plexiglas greifen. Die Scheiben werden dann einfach mittels Silikon zusammengeklebt. Damit man den Deckel herausschieben kann, sollte man oben 2 Führungsschienen anbringen. Zur Belüftung empfehlen sich Lochbleche an der Unter- und Oberseite.

Gut zu wissen:
Zur Haltung röhrenbewohnender Vogelspinnen wird oft eine hohe Luftfeuchte benötigt. Das gilt sowohl für oberhalb als auch unterhalb der Erdkante. Als netten Nebeneffekt kann man meist auf den Wassernapf verzichten. Das Tier nimmt die Feuchtigkeit dann wie in der freien Wildbahn durch die Nahrung und feuchte Atemluft auf. Aufgrund der hohen Feuchtigkeit im Terrarium kommt es oft zu Schimmel. Um Herr der Lage zu sein, sollte man Springschwänze und kleine Asseln einsetzen. Sie agieren dann als Bodenpolizei.

Wie wird ein Haplotank geflutet?

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Bevor die Vogelspinne zum ersten Mal in ihrem neuen Zuhause einziehen kann, muss dieses erst mal ordentlich gewässert werden. In der Regel wird der Bodengrund im Haplotank aber nicht gegossen, sondern gleich mit voller Wucht geflutet. Durch die Löcher im Boden kann das Substrat, nämlich Wasser aus einem Bottich aufnehmen. Alternativ eignet sich natürlich auch die eigene Badewanne, falls kein ausreichend großes Behältnis vorhanden ist.

Wichtig ist hierbei, dass das Wasser bis zur Oberkante der Erde im Terrarium reicht. Ansonsten lassen wir unsere Haplotanks etwa 1 bis 2 Stunden im Wasserbad stehen. Diese Prozedur wiederholen wir dann alle 6 Monat erneut. Währenddessen können die Spinnen im Terrarium gelassen werden. Sie stören sich nämlich nicht allzu sehr an dem Wasser in ihrer Röhre und ertrinken auch nicht. Das Wasser sollte allerdings weder kalt noch heiß, sondern lauwarm sein.

Es dauert durchaus ein paar Tage bis das überschüssige Wasser seinen Weg durch die Löcher gefunden hat. In den ersten Tagen nach dem Fluten sollte man sich daher auf ein vor sich hintröpfeln der Behälter einstellen. Aufgrund dessen sollten sie nicht sofort auf feuchtigkeitsempfindlichen Untergründen platzieren. Wir lassen die Becken noch rund 2 Tage in einem leeren Plastikbottich stehen. Danach stellen wir sie für eine Woche auf Zeitungspapier.

Da wir unsere Vogelspinnen vernünftig beobachten wollen, säubern wir die Scheiben vor dem Einsetzen der Spinnen. Dafür wickeln wir ein Papiertuch um eine Pinzette und kleben es fest. Ein Gummiband tut es hier natürlich auch. Das Tuch wird noch leicht angefeuchtet und dann befreien wir die Scheibe vorsichtig vom Substrat. Wer hier mit zu viel Druck arbeitet, kann das Plastik schnell verkratzen und es daher milchig erscheinen lassen.

Gut zu wissen:
Vogelspinnen sind keine Taucher und auch schwimmen können sie eher nicht. Beim Fluten des Haplotanks bildet sich aufgrund der Oberflächenspannung des Wassers ein Luftmantel um den behaarten Körper. Dies funktioniert aber nur, wenn keinerlei Rückstände von Seife und Spülmittel im Wasser enthalten sind. Daher ist die Badewanne selten die beste Lösung zur Wässerung des Haplotanks.
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