Waran-Wildfang

Möchte man einen Waran sein Eigen nennen, steht man irgendwann vor einer ganz bestimmten Frage, nämlich ob man lieber einen Wildfang oder eine Nachzucht erwirbt. Musste man früher fast immer zu einem Tier aus der Wildnis greifen, ist dem heute zum Glück nicht mehr so. Inzwischen gibt es nämlich einige Züchter im deutschsprachigen Raum, die die Echsen bei Bedarf sogar gegen Aufpreis verschicken.

Allerdings ist deren Tierbestand nicht allzu groß und natürlich führt auch nicht jeder ortsansässige Anbieter alle Arten. Gerade Smaragdwarane oder bestimmte Zwergwarane werden seltener gehandelt. Aber auch sehr große Spezies, wie der Nilwaran sind häufig nur schwer zu bekommen. Aufgrund dessen interessieren sich viele Halter für Wildfänge und nach denen muss man in Netz gar nicht allzu lange suchen.

Schließlich ist der Waran-Export noch immer ein boomender Markt. Gerade afrikanische und südasiatische Tiere, wie der Steppen- oder Bindenwaran werden in großen Mengen nach Europa geschifft. Dort werden die meist noch sehr jungen und kleinen Tiere von diversen Zoohandlungen aufgekauft und schließlich angeboten. Erworben werden die Wildfänge dann leider meist von Menschen, die nicht wissen wie groß die Echsen einmal werden.

Oft wird auch der Umstand unter den Teppich gekehrt, dass es sich um waschechte Wildfänge und keine deutschen Nachzuchten handelt. Ein obligatorischer Herkunftsnachweis wird in der Regel deshalb auch nicht ausgestellt. Um solche krude Praktiken und noch ganz andere Tricks der Händler soll es aber in diesem Ratgeber nicht gehen. Viel mehr möchten wir einmal die Vor- als auch Nachteile von Wildfängen und Nachzuchten besprechen.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Wildfängen sind diese noch an das echte Leben gewöhnt und können sich so nur langsam an das Leben in einem Terrarium oder einer Anlage gewöhnen. Meist sind diese Tiere daher auch nervöser und greifen schneller an als ihre nachgezüchteten Kollegen. Außerdem weiß man nie, wie stark die natürliche Population durch den starken Export bereits geschwächt ist.
  • Möchte man als Züchter neues Blut in seine Gruppe bringen, führt oft kein Weg an einem Wildfang vorbei. Wer nämlich immer wieder mit den gleichen Tieren züchtet, produziert eben irgendwann nur noch reine Inzuchttiere. Diese verfügen über ein schlechteres Immunsystem und sind damit anfälliger für Krankheitserreger. Auch kommen Gendefekte häufiger vor.
  • Wildfänge sind oft ein bisschen wie Glücksspiel. Man weiß bei adulten Waranen nicht wie alt sie sind. Noch dazu können sie von Parasiten und Würmern befallen sein. Man muss die Tiere daher nach dem Kauf zwingend in ein Quarantäne-Terrarium setzen. Ebenso ist eine Kotprobe oder direkt eine präventive Untersuchung bei einem fachkundigen Tierarzt Pflicht.

Wildfänge & die damit verbundenen Probleme:

Waran in der Wildnis

Nicht nur der Export für terraristische Zwecke schadet den Waranbeständen in Afrika und Asien. Eine noch viele größere Bedeutung haben die Echsen in der Leder- und Fleischindustrie. So wird das robuste Waranleder gerne für Uhrenarmbänder, Schuhe oder Handtaschen genutzt. Zusätzlich dazu ist das Fleisch für die lokale Bevölkerung ein günstiges und damit sehr wichtiges Nahrungsmittel.

Gerade der Leber und Schwanzansatz, aber auch die Eier werden in großen Mengen verspeist. Alle 3 Verwendungsfelder führen schließlich dazu, dass der Bestand an den Tieren abnimmt. Zumindest ist dies überaus naheliegend. Allerdings werden in den Herkunftsländern leider meist keine Tabellen mit Daten über die Population geführt. Nichtsdestotrotz kann der starke Druck nicht gut für den Bestand der Tiere sein.

In Asien werden hauptsächlich der Bindenwaran (V. salvator), der Gelbwaran (V. flavescens) sowie der Bengalenwaran (V. bengalensis) bejagt und gefangen. In Afrika hingegen macht die Bevölkerung Jagd auf den Nilwaran (V. niloticus), den Steppenwaran (V. exanthematicus) und den Weißkehlwaran (V. albigularis). Ein passendes Video dazu haben wir auf YouTube gefunden. Man erkennt darin auch sehr schön, wie stark die Population bereits leidet:

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Kommen solche Tiere in Deutschland an, sind sie in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Die Wildfänge sind häufig unterernährt, dehydriert und krank. Solche Warane müssen aufgrund dessen sofort nach dem Erwerb in ein Quarantäne-Terrarium gesetzt werden. Dort muss man sie für mindestens 8 bis 12 Wochen belassen und möglichst bald nach dem Einzug eine Kotprobe entnehmen.

Das Futter oder auch Wasser sollte mit Vitamin- und Calciumpräparaten aufgewertet werden. Bei noch im Wachstum befindlichen Tieren kann man das Alter noch einigermaßen passend schätzen. Bei adulten Waran hingegen ist dies leider nicht mehr möglich. Hier ist die noch mögliche Lebenserwartung ein reines Glücksspiel. Dies ist unserer Meinung nach ein sehr großer Minuspunkt.

Aber auch die Tatsache, dass man die Geschöpfe einer mehrtägigen und sehr kräfteraubenden Reise aussetzt, sollte einen vom Kauf solcher Echsen abschrecken. Nicht selten verletzen sich die Tiere auch auf dem Transportweg mehr oder minder stark. Vom moralischen Standpunkt aus betrachtet, spricht schon einiges gegen den Erwerb von Wildgefangenen Waranen. Aber wie wir alle wissen, ist das eine sehr einseitige Sichtweise.

Schließlich führt manchmal einfach kein Weg an einem Wildfang vorbei. Sei es um neues Blut in die Zuchtlinie zu bekommen oder um seltene Arten hierzulande erfolgreich nachzuzüchten. Gerade Letzteres ist ein guter Ansatz, um langfristig den Export rarer Arten abzuschwächen und noch mehr Menschen für die Haltung von Waranen zu begeistern. Vielleicht entscheiden sich am Ende des Tages so mehr Menschen für Warane als Haustiere.

Gut zu wissen:
Die Rechtslage in Deutschland ändert sich oft. Deshalb können wir hier keine Arten auflisten, deren Import gänzlich verboten ist. Viel mehr möchten wir darauf hinweisen, dass man sich vor dem Erwerb detailliert über die Rechtslage unter Zuhilfenahme der CITES-Quoten und Artenschutzabkommen informieren sollte. Weiterhin ist die Haltung bestimmter Spezies in vielen Gemeinden oder ganzen Bundesländern verboten oder zumindest meldepflichtig.

Nachzuchten & deren Fallstricke:

Waran-Quarantäne-Terrarium

Noch immer werden im deutschsprachigen Raum von bestimmten Waran-Arten keinerlei Nachzuchten angeboten. Dies ist wirklich schade und in solchen Fällen führt kein Weg um ein Importtier herum. Besteht allerdings die Möglichkeit das Tier von einem Züchter zu kaufen, ist dies so gut wie immer die bessere Wahl. Man kann sich vor Ort nämlich ein Bild von den Aufzuchtbedingungen machen und hat noch dazu meist die Wahl zwischen mehreren Tieren.

So kann man das Risiko eines Fehlkaufs drastisch senken. Nicht zuletzt, da man hier mehr über die Elterntiere und auch das Alter weiß. Nachzuchten sind daher generell als stabiler zu bewerten. Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass solche Anbieter regelmäßig Kotproben durchführen und die Warane daher meist keinen Parasiten- oder Würmerbefall haben. Außerdem sind die Transportwege kürzer und so weniger nervenbelastend für die Echse.

Ebenfalls nicht unterschätzen sollte man den Fakt, dass man sich von einem Züchter noch einmal professionellen Rat bei Fragen holen kann. All diese Pluspunkte bezahlt man aber häufig mit einem etwas höheren Preis. Dafür bekommt man aber legal gehandelte Warane mit echten Papieren. Nicht verwechseln darf man aber deutsche Nachzuchten mit den Tieren aus den sogenannten Farmzuchten.

Hierunter versteht man Warane, die in den Herkunftsländern speziell für den Export gezüchtet werden. Solche Farmen unterliegen aber einem großen Preisdruck und züchten daher oft unter unwürdigen Bedingungen. Noch dazu stammen viele Tiere mit dem Zusatz Farmzucht gar nicht von solchen Anlagen. Es handelt sich hier nicht selten um frisch aus der Natur entrissene Tiere. Das liegt hauptsächlich daran, dass es kaum solche Zuchtfarmen gibt.

Außerdem ist der Gewinn um in Vielfaches größer, wenn man Wildfänge nur mit diesem Prädikat anbietet. Und eines sei noch erwähnt. Uns ist derzeit keine seriöse Quelle für Warane aus Farmzuchten bekannt. Daher können, aber auch wollen wir keine Empfehlung für solche Anbieter aussprechen. Was am Rande gesagt auch für andere Händler und Züchter gilt.

Gut zu wissen:
Werden sehr rare Waran-Arten unter dem Deckmantel verkauft, dass es sich um deutsche Nachzuchten handelt, darf man ruhig etwas misstrauisch sein. Bekommt man vor Ort dann noch Zweifel darüber, dass es sich nicht doch um Wildfänge handelt, sollte man lieber auf sein Bauchgefühl hören und vom Kauf absehen. Noch immer werden nämlich unwissende Käufer in Bezug auf die Herkunft der Tiere getäuscht. Passende Dokumente alleine stellen nämlich noch immer kein sicheres Merkmal dar. So viel sei an dieser Stelle noch gesagt.

Unser Fazit zum Abschluss:

Wir hoffen, dass dir der Artikel aufgezeigt hat, dass es nicht nur Negativpunkte in Bezug auf Wildfänge gibt. Allerdings überwiegen die Nachteile im Vergleich zu den Nachzuchten doch mehr als nur ein kleines bisschen. Schließlich wird die natürliche Population minimiert, die Tiere durchleiden eine anstrengende Reise und zu guter Letzt sind das Alter und der Gesundheitszustand ungewiss.

Bei Nachzuchten treffen all diese Dinge eher nicht zu. Man weiß wie alt die Warane sind, welche Elterntiere sie haben, wann die letzte Kotuntersuchung gemacht wurde und man sich in Ruhe ein Tier seiner Wahl aussuchen. Noch dazu können einem die Züchter aus erster Hand mit Rat und Tag in puncto Haltung des späteren Warans zur Seite stehen. Allerdings gibt es Situationen, wo man einen Wildfang erwerben muss.

Klassische Beispiele hierfür wären neues Blut in der Zuchtlinie oder einfach die Tatsache, dass man ansonsten hierzulande keine stabile nachgezüchtete Population aufbauen kann. Wer sich allerdings an das Vermehren von seltenen Tieren wagen möchte, muss doch einiges an Erfahrung in der Pflege der kleinen Drachen mitbringen. Noch immer gibt es nämlich wenige Informationen und auch Bücher sowie Fachzeitschriften sind rar gesät.


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